Mark Zuckerberg und Elon Musk sind sich längst nicht immer einig, aber bei einem Thema schon: Beide plädieren für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Das wird gerade in Zusammenhang mit der sich durch die Digitalisierung rasch verändernden Arbeitswelt überall heiß diskutiert, Pilotprojekte laufen bereits. Wir geben einen Überblick über den Stand der Dinge.

Auch wenn die Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen, befeuert durch die Aussagen diverser Silicon Valley-Größen, in letzter Zeit an Intensität zugenommen hat, ist die Idee nicht neu. Einer der Pioniere der Bewegung ist Götz Werner, Gründer der Drogeriekette dm. Bereits 1982, zu Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, beschäftigte er sich mit dem Thema. Seit 2005 macht er sich in der Öffentlichkeit mit seiner Initiative Unternimm die Zukunft dafür stark.

Götz Werner, einer Vordenker des bedingungslosen Grundeinkommens in Deutschland (Foto: dm/Alex Stiebritz)

Werner denkt dabei einen monatlichen Betrag von 1.000 Euro für alle, der über die Mehrwertsteuer finanziert werden soll. Das sei fair, weil diese Steuer jeden beträfe und niemand sie durch Tricks umgehen könne. Einen der Hauptkritikpunkte an dem Modell, nämlich dass bei einem Grundeinkommen niemand mehr freiwillig „schmutzige“ Arbeit machen würde, kontert er in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau folgendermaßen:

„Wenn es Tätigkeiten geben sollte, für die sich nach Einführung des Grundeinkommens nicht ausreichend Arbeitskräfte finden, gibt es nur drei Möglichkeiten. Erstens: Die Löhne steigen, bis sich genug Menschen für den Job interessieren. Zweitens: Man erledigt die Aufgabe selbst. Oder drittens – und dieser Prozess ist längst im Gange – übernehmen Roboter, Rechner und andere Maschinen die Arbeit.“

Der technologische Fortschritt als Argument für bedingunsloses Grundeinkommen

Der letzte Punkt ist ein noch relativ neues Argument, das aber durch die technologischen Entwicklungen immer mehr in den Vordergrund rückt. Viele Experten erwarten in den nächsten Jahren den endgültigen Wegfall von Millionen von klassischen Arbeitsplätzen, die nicht adäquat ersetzt werden können. Zwar würden auch eine Reihe neuer Jobs entstehen. Viele jedoch hätten dafür nicht die passende Qualifikation und könnten sie sich nicht ohne Weiteres aneignen. „Es wird immer weniger Jobs geben, die Roboter nicht besser ausführen können“, lautet auch die Begründung von Elon Musk für das bedingungslose Grundeinkommen.

Für Mark Zuckerberg steht dagegen mehr das Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund. Besonders inspiriert hat ihn ein Besuch diesen Sommer in Alaska, über den er in einem Facebook-Post berichtet hat. Dort wird jedes Jahr ein Teil der Gewinne aus der Ölförderung an die Bevölkerung ausgezahlt. Um die 1.000 US-Dollar sind das pro Jahr und Person. Das erinnerte Zuckerberg an eine eher banale Erkenntnis, die er schon bei Facebook gewonnen hatte: „Organisationen denken vollkommen anders, wenn sie profitabel sind, als wenn sie Schulden haben.“

Mark Zuckerberg (rechts) besucht Fischer in Alaska (Foto: Facebook)

Das gilt grundsätzlich natürlich auch für Einzelpersonen und ist ein beliebtes Argument für das bedingungslose Grundeinkommen. Wer sich um die finanzielle Basisversorgung keine Gedanken machen muss, hat den Kopf frei für mehr Kreativität und Unternehmergeist. Gerade für Startups, die oft um jeden Cent kämpfen müssen, bedeutet das mehr Spielraum und weniger Druck, schnellstmöglich ein Investment bekommen zu müssen. Das Gegenargument ist da nicht weit: Menschen, die zu Faulheit und Lethargie neigten, hätten noch weniger Anreize aktiv zu werden und würden im gesellschaftlichen Abseits verschwinden.

Finanziert wird über höhere Steuern

Die Frage, wie das alles zu finanzieren sei, scheint da manchen Fachleuten weniger problematisch, als man denken könnte. Steuererhöhungen wären in jedem Fall unvermeidlich, dafür könnten alle sozialen Leistungen wie Kindergeld oder Hartz 4 wegfallen. Bei einem Einkommenssteuersatz von 50 % und einer Monatszahlung von 1.000 Euro wäre eine Person mit 24.000 Euro Jahreseinkommen de facto steuerfrei. Wer 120.000 Euro im Jahr verdient, muss unterm Strich 40 % seines Einkommens dem Staat überlassen.

Das amerikanische Roosevelt Institute hat errechnet, dass bei einem bedingungslosen Grundeinkommen von 1.000 US-Dollar das Wirtschaftswachstum in einem Zeitraum von acht Jahren um 12,56 % höher ausfallen könnte als unter den jetzigen Bedingungen. Wie sich eine solche Regelung tatsächlich auf ein Staatswesen auswirkt, ist in der Praxis natürlich noch nicht erprobt. Modellversuche jedoch gibt es bereits. Während in Schleswig-Holstein ein Testlauf noch bevorsteht, ist man in Finnland schon wesentlich weiter.

Finnisches Pilotprojekt und Grundeinkommen per Crowdfunding

Seit Januar 2017 erhalten dort 2.000 zufällig ausgewählte Arbeitslose monatlich 560 Euro. Das reicht allein nicht zum Leben, macht es aber leichter, beispielsweise Teilzeitjobs anzunehmen, ohne Abstriche fürchten zu müssen, die sonst bei Sozialhilfe fällig wären. Welche Erkenntnisse sich aus dem auf zwei Jahre begrenzten Experiment gewinnen lassen, ist noch nicht abzusehen. Eine Weiterführung oder gar landesweite Einführung gilt aber momentan als äußerst unwahrscheinlich.

Wer in Deutschland zumindest für ein Jahr in den Genuss eines bedingungslosen Grundeinkommens von 1.000 Euro monatlich kommen möchte, kann sich bei Mein Grundeinkommen bewerben. Dieser gemeinnützige Verein sammelt per Crowdfunding solange Geld ein, bis 12.000 Euro zusammengekommen sind, und verlost diese dann. 119 Grundeinkommen wurden seit Juli 2014 so bereits finanziert.

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