Holy Moly! Obwohl Verena Pausder (Fox and Sheep) bis an den Anschlag erkältet auf die FoundersTalks Bühne gegangen ist, hat sie unglaublich zum Thema Founders Attitude abgeliefert! Hier haben wir euch einige Nuggets und praktisch umsetzbare Tipps aus dem Abend zusammen gestellt:

Wie finde ich heraus, ob meine Startup-Idee gut ist?

Verenas Tipp. „Menschen fragen, die dich nicht mögen.“ Oder zumindest, die dich nicht kennen. Denn die sagen ehrlich ihre Meinung, ob sie euer Produkt kaufen oder in euer Unternehmen investieren würden.

Welche Charaktereigenschaften brauchen Gründer_innen?

1. Mut als allererstes. 
Mut etwas zu tun, was keine direkte Sicherheit bietet und sich möglicherweise gegen den Rat von Freunden und Familie durchzusetzen.
Deswegen hält Verena den Aufbau eines Startup Ökosystems auch für so wichtig: Wenn eine Region wie Ostwestfalen-Lippe gemeinsam Gründergeist aufbaut und eine kritische Masse an Entrepreneuren erreicht wird, trauen sich mehr Leute zu gründen.

Liebe zum Risiko ist für Verena ein Stück ihrer Persönlichkeit, dass sie nicht erlernen musste. Sie vermutet, dass diese Charaktereigenschaft den Start erleichtert, mit etwas anzufangen. Auch auf die Gefahr hin, dass es nicht klappt.

Dazu kommt ihre Eigenschaft, sich schnell weiter entwickeln zu wollen. Wenn sie im festangestellten Job etwas gelernt hatte, dachte sie immer „Ok, das kann ich jetzt. Was kommt als nächstes? Wie geht es weiter?“ und wurde von Vorgesetzten oft ausgebremst. Als Entrepreneur ist es aber eine wertvolle Eigenschaft, da sich immer alles verändert. Wir sind nie fertig, es geht immer besser und das ist sehr motivierend. Oder wie Verena sagte:

„Das macht süchtig und versaut einen für eine Festanstellung.“

2. Viel Leidenschaft
Denn Gründen ist wahnsinnig anstrengend. Das Gefühl, dass ständig alles im Wandel und nichts sicher ist, führt häufig zur Frage: Was wenn es nicht klappt? Mache ich etwas falsch? Wofür soll ich mich entscheiden? Das kann sehr auslaugend sein. Auch wenn man als Gründer schon in der nächsten Phase ist und am Tropf der Investoren hängt.

Ob ein Startup selbst finanziert wird oder durch Investoren: Es braucht manchmal mehr Zeit und Geld, bis der durchschlagende Erfolg kommt. Und das ist OK so. Auch in Konzernen werden in R&D Abteilungen Zeit und Geld verbrannt und oft kommt dabei auch nicht the Next Big Thing heraus.

Aber:
Je mehr passiert. Je mehr versucht und ausprobiert wird, desto größer die Chance, dass The Next Big Thing dabei ist. Und dabei ist es egal, ob Physisches Produkt, innovative Software oder ein disruptiver Prozess: Wichtig ist, dass es einen echten Impact bei Unternehmen und Endkunden hat, die das Ergebnis einsetzen werden.

3. Durchhaltevermögen und Resilienz Entrepreneurship ist kein Lifestyle, weil es gerade cool ist. Und euer Business wird vermutlich nicht gleich auf Anhieb klappen. Lasst euch von euren Fehlschlägen nicht entmutigen! Lernt aus ihnen und werdet besser durch sie, statt euch entmutigen zu lassen.

Etwas, das uns in Ostwestfalen-Lippe ausmacht ist, uns lange und intensiv mit einer Sache zu beschäftigen und nicht locker zu lassen. Dieses hartnäckige nachdenken und stur immer-besser-werden führt oft dazu, dass ihr euer Ziel erreicht und nachhaltiger gründet, als wenn schnell eine App zusammen gezimmert wird.

Das fällt besonders leicht, wenn ihr euer Vorhaben mit einer großen Vision verbindet, wie Verena im nächsten Punkt erklärt:

 

Wer sind die kreativen Menschen, die Verena begeistern?

Hier schickt Verena erstmal vorweg, dass JEDES Team-Mitglied kreativ sein kann. Auch der trockenste BWLer kann ein revolutionäres Business Model bauen.

Aber die eigentlich wichtige Sache ist: Die Vision muss groß genug sein und Raum bieten. 
 
Als Beispiel nennt Verena N26. Deren Vision ist nicht: „Wir wollen eine App schaffen, in der man ein Girokonto eröffnen kann.“
Sondern: „Wir wollen die Bank der Zukunft sein!“

Und das ist einer der Gründe, die uns in Deutschland oft vom Gründen abhalten: Hier findet man es oft nicht gut, wenn jemand auf den Putz haut. Halten es für anmaßend und suchen dann nach Gründen, warum jemand seine Vision nicht schaffen kann.

Habt eine große Vision! Und wenn ihr dann statt der Bank der Zukunft pivoted und der Versicherer der Zukunft werdet, dann ist das auch OK.

Außerdem nennt Verena Sheryl Sandberg als im Zusammenhang mit dem Stichwort Vorbild. Sheryl ist COO von Facebook und war bereits super erfolgreich in Corporate America. Mark Zuckerberg hat sie geholt, damit Facebook Geld verdient und das hat sie in super kurzer Zeit geschafft. Heute hat Facebook gut 80% Gewinnmarge.

Wie komme ich als Gründer_in an Kapital?

„Es gibt mehr Kapital als gute Ideen. Wenn Deine Idee also wirklich gut ist, wirst Du auch Kapital dafür bekommen.“

Als praktische Tips führte Verena an:
Sucht auf Angelist nach passenden Investoren – am besten in eurer Nähe
und geht zu möglichst vielen PitchDays und stellt euer Business Model vor.

Wie können Mittelstand und Startups zusammen arbeiten?

„Wir dürfen keine Parallelgesellschaft entwickeln!“ ist Verenas klares Statement. Sie meint damit: Beide Seiten sollen aktiv die Zusammenarbeit und den Austausch suchen. Der Mittelstand gerade in Ostwestfalen-Lippe ist wesentlich innovationsfreudiger als man denkt.

Es gibt Mittelständler mit mehreren tausend Mitarbeitern, die in einem 1000-Leute Dorf sitzen und drum herum sind ebenfalls nur 1000-Seelen Örtchen. Das hat sehr lange sehr erfolgreich funktioniert. Doch nun müssen Innovationen und super Talente in die Unternehmen kommen. Da sind Kooperationen mit Startups, gemeinsame Networking-Events und Collaborations wie auf Hackathons eine super Sache, um sich gemeinsam voran zu bringen. Und wir lernen unseren tollen, bereits gut vernetzten Standort OWL noch mehr zu schätzen.

SO haben wir die besten Chancen uns im Wettbewerb mit den USA und China zu behaupten:
Google lernt durch KI und Daten. Wir haben das Know-how bereits in den Köpfen der Menschen bei den Hidden Champions und Weltmarktführern. Wenn wir diese Erfahrung und Wissen in die Maschinen bekommen, entwickeln wir einen mächtigen Vorsprung! 

Gerade in OWL sind Verbindlichkeit und Verlässlichkeit geschätzte Tugenden. Die Verbindung zur Region ist sehr hoch und hier wirtschaftet man nicht für 10 Jahre sondern nachhaltig für die nächsten Generationen.

„Startups sind Familienunternehmen in 1. Generation.“

Menschliches Know-how ist besonders für Deep Technology Startups wichtig

Und die gibt es in Deutschland! Nur kennt man sie nicht, da sie nicht in den TV-Werbeblöcken vorkommen. Die haben 10 Key-Accounts und können damit gut und profitabel arbeiten.

Darum brauchen wir Mittler zwischen den Welten. Leute, die zum erfolgreichen Mittelständler gehen und sagen: „Schau dir mal das Startup hier an, die können euch mächtig weiter helfen und würden super zu Euch passen.“

„Wir dürfen nicht zulassen, dass Google, Facebook, Apple und Microsoft uns die besten Startups nach der B- und C-Series wegschnappen, weil deutschen Investoren die Summen jenseits der 20, 30 Millionen zu groß werden!“ warnt Verena. „Sonst haben wir hier bald nur noch Vertriebsbüros aber weder R&D noch Entwicklung und Produktion.“

Verena nennt als ein Beispiel Chris Boos, den sie als einen der führenden Köpfe in der KI-Entwicklung bezeichnet.

Was war Dein größter Misserfolg?

Ein früherer Arbeitgeber schickte Verena Anfang der 2000er nach New York City. Dort lernte sie das Konzept der Salad Tossing Bers kennen, kündigte ihren Job und baute in Deutschland ein grünes und nachhaltiges Salatbar-Business als Franchise-System auf. Von 4 Investoren bekam sie insgesamt 400.000 Euro Kapital und legte los.

Das Konzept entwickelte sich durch eine kleine Unvorhersehbarkeit zum Misserfolg:

Zum gleichen Zeitpunkt begannen auch große Ketten mit Milliardenkapital ihre Coffee-Stores, Eisdielen und Back-Stores in die Innenstädte zu bringen. Ergebnis:
Verena konnte keine Erfolg versprechenden Ladenflächen bekommen und musste ein Jahr später und 140.000 Euro weniger gegenüber den Investoren zugeben, dass das Konzept nicht aufgeht.

Rückwirkend betrachtet ist Verena heute froh über den Wake-up Call und froh, dass er so früh und so klein passiert ist. Mit ihrem heutigen Wissen und Erfahrung würde sie vermutlich pivoten und nach einer Lösung suchen, die das Problem der Standort-Suche schnell und elegant umgeht und dann vermutlich genau wegen dieser Hürde zu einem noch größerem Erfolg führt.

„Wichtig ist, etwas zu bauen, das funktioniert. Auch wenn es am Ende etwas anderes ist, als man sich zu Anfang überlegt hatte.“

Was machen Gründerinnen anders?

Verena engagiert sich stark in Fempreneurship und im Empowerment von Gründerinnen. Dabei sieht sie als Hauptunterschied, dass Frauen oft aus einer Position der Schwäche heraus gründen: Weil der aktuelle Job keinen Spaß macht, keine Karriere möglich ist oder nach einer Schwangerschaft der Wiedereinstieg schwierig ist.

Sie fordert Frauen, die gründen wollen auf:

„Traut euch mehr zu und denkt größer!“

Es ist besser 80% eines Riesenziels zu erreichen, als 95% eines viel zu klein gesteckten Ziels.

Übrigens:
Sowohl Verena als auch ihr Mann leben vor, dass Entrepreneurship mit Familie vereinbar ist. So war ihre 5-Monate alte Tochter gemeinsam mit den Großeltern beim FoundersTalk einfach mit dabei.

Hier könnt Ihr mehr über Verena Pausder erfahren:

3-fache Mutter! Entrepreneurship und Family lassen sich vereinen!
Fox and Sheep
HABA Digital Werkstatt
Startup Teens
Ladies Diner Netzwerk Events
Young Global Leader im Jahr 2016 des Weltwirtschaftsforum 

Noch mehr erfahrt ihr auf Verenas AboutMe-Page.

Oder schaut euch Verenas TEDx Talk Berlin an:

https://www.youtube.com/watch?v=2V7Sc2tORrk

Alle anderen Founders Talk Rückblicke findet ihr hier.

Artikelbild: Hanna Drabon Verena Pausder im Founders Talk mit Sebastian Borek