Bist du ein Mensch? 4   +   1   =  

Eigentlich macht ihr alles richtig: Euer Business Model ist ein Lean Startup, ihr habt ein MVP, arbeitet agil mit Scrum und entwickelt Ideen mit Design Thinking.

Ihr macht eure Fehler schnell und billig.

Und trotzdem läuft es nicht so recht. Woran kann’s liegen?

Die besten Methoden helfen nix beim falschen Zweck

Agiles Arbeiten bedeutet vor allem eines: Vom Kunden her denken. Customer Centric. Was braucht euer Kunde wirklich? Was macht löst ein schwer wiegendes Problem oder bringt ihm massiv zusätzlichen Gewinn?

Wir haben es in unserer Serie zur Validierung schon einmal angesprochen: Wichtig ist, dass ihr herausfindet was euer Kunde wirklich braucht. Das heißt auch: Wofür ist er bereit zu zahlen?

Auf die Frage: „Wir hatten da eine Idee für unser Produkt: Hättet ihr gerne Feature X?“ antworten viele Menschen erst einmal mit „Ja klar! Super.“ Wenn es aber nicht hundert pro zum Pain des Kunden passt, ist das Super schnell wieder vergessen, wenn es ans kaufen oder buchen geht.

Das Problem mit dem MVP

Lean Startup heißt: Ideen möglichst schnell zu Minimal Viable Products machen. Ist auch eine erfolgreiche Vorgehensweise, wenn sie konsequent umgesetzt wird. Nun sind wir alle Menschen und haben oft das Bedürfnis, eben nicht das minimale abzuliefern, sondern streben nach Perfektionismus. Zumindest nach etwas, hinter dem wir voll und ganz stehen können.

Und schon:

Stecken wir viel zu viel Zeit, Arbeit und Ressourcen in ein MVP. 

Aus einer einzelnen Idee, die schnell mit dem Kunden getestet werden sollte, wir ein Projekt, mit Arbeitspaketen und am schlimmsten noch: Mit Lastenheft. Und ganz schnell wird es so teuer, dass der Kunde es nicht bezahlen will und so komplex, dass der Kunde es auch nicht mehr gebrauchen kann.

Ursachenforschung in case of Fail

Ihr habt euer MVP bzw. die neuen Features gelauncht und niemand nutzt sie. Woran liegt’s?

  • Nicht genug kommuniziert?
  • Keine Anreize für die Kunden geschaffen?
  • Design und UX sind noch nicht gut genug?
  • Es fehlt noch ein weiteres Feature, bis es wirklich funktioniert?
  • oder:

Ihr habt in der Methode alles richtig gemacht, gute Arbeit geleistet, ein cooles Produkt geshipped aber:

Der Kunde braucht das MVP in seinem Business doch nicht so, wie ihr vermutet habt?

Kunden Bedarf finden und richtig bedienen

Wenn ihr Pains eurer Kunden lokalisiert habt, ist das eine gute Basis. Dennoch solltet ihr noch genauer klassifizieren:

  1. Welche Pains werden bereits über Gebühr bedient?
  2. Welche noch gar nicht?
  3. Was ist dem Kunden wirklich wichtig?
  4. Womit ist der Kunde besonders zufrieden zu stellen?
  5. Braucht der Kunde weitere Voraussetzungen erfüllt, um mit eurem Produkt zu arbeiten?
  6. Wo ist der Kunde bereit zu investieren?

Mit diesem Set an kritischen Fragen könnt ihr euch etwas näher an eure Kunden heran arbeiten und mit qualitativ guten Antworten macht dann auch die Arbeit mit agilen Methoden Sinn.

Ach ja: Auch hier solltet ihr euch immer mal wieder hinterfragen:

„Will unser Kunde eigentlich, dass wir agil arbeiten, setzt er as voraus oder interessiert es ihn gar nicht?“

Artikelbild: İrfan Simsar on Unsplash