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Im Dezember 2017 erhielten wir unser erstes Investment vom Technologiefonds OWL und zwei Business Angels aus Paderborn. In unserem Erfahrungsbericht lassen wir den Weg vom Erstkontakt bis zur Vertragsunterzeichnung Revue passieren und geben Einblicke in die heutige Zusammenarbeit.

Eine überraschende Begegnung

Im Februar 2017 stellen wir erstmalig auf der weltweit bedeutendsten Bildungsmesse didacta in Stuttgart aus. Neben Lehrern und Geschäftspartnern treffen wir dort auf zwei ausländische Unternehmer, die nach einem kurzen Gespräch großes Interesse an unserem Konzept zeigen und deutlich machen, dass eine Kooperation für sie in Frage käme. Die beiden sind ebenfalls in der Bildungsbranche tätig und in ihrem Heimatland Marktführer im Bereich Nachhilfe. Auch nach der Messe bleiben wir in engem Kontakt und erhalten nach einigen Monaten und vielen Gesprächen ein lukratives Investment Angebot.

Aus eigener Kraft VS. Investment?

Das Angebot aus dem Ausland führt zu der intensiven Überlegung darüber, wie wir unsere Ideen und unser Wachstum mit einem Investment schneller umsetzen können. Bis hierhin sind wir, bis auf ein Darlehen unseres Business Angels Dr. Volker Bastert, aus eigener Kraft von Jahr zu Jahr gewachsen. Deshalb stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob wir unser Geschäft auch weiterhin aus eigener Kraft oder mithilfe eines Investments ausbauen möchten.

Da wir den Bildungsmarkt nicht nur bedienen, sondern aktiv mitgestalten möchten, entscheiden wir uns letztlich für das Investment. Auf diese Weise wollen wir unsere geschäftserweiternden Ideen schneller umsetzen – so beispielsweise individuelle Lerncoachings in unseren neuen Academys und den Ausbau unseres eigenen Verlags.

Unverhofft kommt oft

Zum gleichen Zeitpunkt befindet sich der Technologiefonds OWL in der Startphase. Der von EnjoyVenture gemanagte Fonds unterstützt Start-ups als Frühphasen-Investor durch direkte Beteiligungen am Stammkapital. Geldgeber der ersten 13,3 Mio. EUR sind die Sparkasse Paderborn-Detmold, die NRW.Bank, die PHOENIX CONTACT Innovation Ventures GmbH sowie das langjährig erfahrene Fondsmanagement von EnjoyVenture. Aktuell werden weitere Fondsinvestoren akquiriert, sodass der Fonds auf maximal 25 Mio. EUR wachsen kann. Der Fonds hilft Jungunternehmern zusätzlich mit seiner Erfahrung von fast 20 Jahren und einem großen Kontaktnetzwerk zu einer Vielzahl von Investoren und Industriepartnern.

Als unser Ziehvater Prof. Dr. Rüdiger Kabst (TecUP) davon erfährt, dass wir unter Umständen Unternehmensanteile ins Ausland verlagern, schlägt er eine Alternative vor: Als einer der Initiatoren stellt er den ersten Kontakt zwischen dem Technologiefonds OWL und uns her.

Dank eines Anrufs während der ersten Sitzung des Fonds bekomme ich die Chance, das Unternehmen in einem spontanen fünfminütigen Pitch vorzustellen – mit Erfolg! Im Anschluss folgt ein erstes persönliches Gespräch.

Ein erstes Beschnuppern

Nach dem ersten Pitch begrüßen wir Wolfang Lubert (Geschäftsführer EnjoyVenture) und Andreas Schenk (Investmentmanager EnjoyVenture) in unserem Büro. In unserer Gesellschafterrunde stellen wir das Unternehmen noch einmal ausführlich vor und beantworten alle offen gebliebenen Fragen. Die Atmosphäre während des gesamten Gesprächs empfinden wir als sehr locker und freundschaftlich. Unser Bauchgefühl ist sehr gut.

Bewertung und Due Diligence – Es wird ernst!

Nach den ersten Treffen geht es vor allem um die Bewertung des Unternehmens und die Höhe des Investments sowie die Runde der Investoren. Denn in das mögliche Investment sind neben dem Technologiefonds zwei Traditionsunternehmer aus Paderborn als Business Angels involviert. Nachdem wir uns auf eine Firmenbewertung geeinigt haben, steht die Due Diligence an: eine intensive Prüfung StudyHelps durch das Fondmanagement, insbesondere durch Stefan Bölte, der in Paderborn ansässige Investmentmanager.

Dank des anschließenden grünen Lichts, dürfen wir noch einmal vor dem entscheidenden Gremium des Fonds pitchen, sodass dieses final über ein Investment entscheiden kann.

Unter Dach und Fach

Nach einer positiven Entscheidung durch den Fonds, einigen wir uns gemeinsam auf einen Beteiligungsvertrag und unterzeichnen diesen im November 2017 vor einem Notar. Damit entscheiden wir uns endgültig für das Investment aus der Region und lehnen das Angebot aus dem Ausland ab. Unsere Entscheidung ist vor allem durch die unkomplizierte und vielversprechende Zusammenarbeit mit den regionalen Geldgebern geprägt:

Wir wünschten uns gleich zu Beginn aller Gespräche einen Investor, der nicht die Absicht besitzt, Mehrheitseigner des Unternehmens zu werden oder Einfluss auf strategische Entscheidungen auszuüben. Natürlich gibt es auch in der Zusammenarbeit mit dem Technologiefonds OWL und den zwei Business Angels viele Dinge, die wir gemeinsam besprechen und entscheiden. Das Alltagsgeschäft und die Vision des Unternehmens werden jedoch nicht beeinflusst. Der Technologiefonds OWL ist regional verankert, wodurch der Austausch zwischen allen Beteiligten sehr leicht fällt. Das Interesse an einem Folgeinvestment ist ebenfalls auf beiden Seiten vorhanden, was ein weiteres schnelles Wachstum StudyHelp’s ermöglichen würde. Aber das wichtigste: das Bauchgefühl ist einfach stimmig.

Drei Monate später – Ein Zwischenfazit

Auch drei Monate nach der Unterzeichnung der Verträge sind wir mit unserer Entscheidung sehr glücklich. Die Zusammenarbeit mit dem Technologiefonds OWL gestaltet sich weiterhin als sehr einfach und produktiv. Mit den Business Angels arbeiten wir zudem eng beim Ausbau unserer Academys zusammen.

Das Investment nutzen wir wie geplant für die Stärkung unseres Kursgeschäfts sowie den Ausbau weiterer Geschäftsfelder wie den Academys und unseres Verlags. Noch in diesem Jahr können wir deshalb viele neue interaktive Verlagsprodukte für Schüler und Studierende anbieten und eröffnen unsere ersten fünf Academys in Nordrhein-Westfalen.

Mein Rat für Start-ups auf der Suche nach einem Investment: Bei der Suche und Auswahl des richtigen Investors spielen sicherlich viele Faktoren eine bedeutende Rolle. Soll es sich beispielsweise um einen reinen Geldgeber oder einen strategischen Partner handeln? Möchte man einen Mehrheits- oder Minderheitsgesellschafter an Bord holen? Verfolgt der Investor eine bestimmte Exitstrategie? Wenn Fragen wie diese beantwortet sind, sollten Jungunternehmer meiner Meinung nach vor allem auch ihre Intuition und ihr Bauchgefühl zu Rate ziehen. Denn was sich auf dem Papier gut liest, muss sich nicht zwangsweise richtig anfühlen.

Ein Erfahrungsbericht von Hakan Housein

 

 

Über StudyHelp:

Als junges Bildungsunternehmen kombiniert das Paderborner Start-up StudyHelp online und offline Lernen. Die StudyHelp GmbH bietet Intensivkurse für Schüler und Studierende an über 200 Standorten in Deutschland und Österreich an und ergänzt diese durch individuelle Lerncoachings in den StudyHelp Academys sowie hauseigene Verlagsprodukte und kostenlose online Inhalte. Ende letzten Jahres sicherte sich das Unternehmen ein hohes sechsstelliges Investment für den Ausbau seiner Geschäftszweige. Bei den Investoren handelt es sich um den Technologiefonds OWL und zwei Paderborner Business Angels.