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Gestern fand im Founders Space das erste Meetup für Education Startups statt. Das habe ich zum Anlass genommen, dem Initiator Tobias Himmerich zu entlocken, worin sich typische Startups von Bildungs-Startups unterscheiden.

Was unterscheidet Education Startups von normalen Business-Startups?

Zunächst einmal hat man es im Bildungsbereich vor allem mit Schulen zu tun. Da ticken laut Tobias die Uhren komplett anders. Wenn Startups ihr Produkt an ein Unternehmen verkauft, geht es meist relativ schnell, bis eine Entscheidung zu Kauf oder Auftragserteilung gefällt wird. Noch schneller geht es natürlich im Privatkundenbereich. Nicht so bei Schulen. Wenn man einer begeisterten Schule seine Leistung vorgestellt hat, geht man oft mit der Aussage nach Hause: „Super Produkt! Machen wir! In 3 Monaten haben wir eine Fachkonferenz – stellt das ganze dort doch noch einmal vor!“. Das tut man dann und nach der Präsentation vor den Fach-Lehrern hört man wieder ein begeistertes: „Das ist klasse! Machen wir auf jeden Fall! Nach den Sommerferien haben wir Schulkonferenz. Bitte stellt das dann nochmal dem gesamten Kollegium vor!“

Und so vergehen gerne mal ein bis anderthalb Jahre, bis ein Projekt wirklich durchgeführt wird. Dafür sind Schulen und Lehrer aber auch sehr loyale und langfristig treue Kunden. Wo Unternehmen nach ein bis zwei Jahren bereits auf den nächst günstigen Anbieter schielen und den Preis drücken wollen, kann mit Schulen im Vergleich langfristig zusammen gearbeitet werden.

Dementsprechend muss mit sehr viel mehr Idealismus und Geduld an ein Ed-Startup heran gegangen werden. Das Marketing unterscheidet sich maßgeblich, da man es nicht nur mit Lehrern als Zielgruppe zu tun hat, sondern noch mit zwei weiteren:

Schülern, die für das Produkt begeistert werden müssen, denn in den meisten Fällen sind sie die „Kunden“ und

Eltern, die zu 90 Prozent das Produkt oder die Leistung bezahlen. Wie auch meistens bei Workbooks, Schulmaterial und Klassenfahrten. Wenn eine Schule seinen Schülern ein Produkt anbieten möchte, stellt sie es über Elternabende den Eltern vor, die dann in der Regel die zusätzlichen Kosten tragen.

Diese Erfahrungen werden auf Eduvation gebündelt weiter gegeben.

Die Plattform Eduvation versteht sich als Mischung aus Business Angel und Investor im Education-Startup Umfeld, die Tobias mitbegründet hat. Das Ziel ist es, Know-how weiterzugeben und Bildungs-Startups im Schulumfeld beim Gründen zu helfen – darum auch das erste Meetup, bei dem immerhin 15 Leute am Start waren. Davon 3 mit konkreten Education-Startup-Ideen und einige, die gerne Innovationen im Bildungsbereich voran treiben oder unterstützen möchten.

Die typischen Startup-Ideen im Bildungsbereich sind meistens physische Produkte oder analoge Dienstleistungen und selten digitale. Ist auch logisch: In den meisten Schulen fehlt leider immer noch die technologische Infrastruktur wie WLAN, Tablets oder Notebooks für jede Schülerin und jeden Schüler. Das Hauptproblem von Ed-Startups ist sehr häufig, dass sie den technologischen Stand der Schulen überschätzen und mit ihren Entwicklungen den tatsächlichen Anforderungen viel zu weit voraus sind.

Oder: Sie basieren ihr Geschäftsmodell auf den Verkauf von digitalen Lerninhalten und werden plötzlich von kostenlosen Anbietern auf YouTube oder Blogs links und rechts überholt und können ihre Preise nicht mehr halten. Es gibt Bildungs-Startups, die Millionen eingesammelt haben und nach knapp 10 Jahren das erste Mal keinen Verlust geschrieben haben. Grund dafür: Das Businessmodel ist in der Zwischenzeit von der Webrealität eingeholt worden und musste dementsprechend angepasst werden.

Übrigens: Unter den Gründern der 8 Startups, die bei Eduvation mitmachen, ist nur ein einziger Lehrer dabei. Dafür bestehen über das Portal 4teachers.de Kontakte zu über einer Million Lehrer in Deutschland. Eduvation selber steht mit über 100 Schulen in Verbindung, die offen für Innovationen in Sachen Bildung sind. Der Vorteil ist: Eduvation kann somit sehr gut einschätzen, welche neuen Projekte für welche Schule interessant sein könnte. Das erspart einem Startup im Einzelkämpfermodus so manche frustrierende Rennerei.

Die oben aufgeführten Erfahrungen sind immens wichtig für aufstrebende Education-Startups. Du kannst die tollste Idee haben: Wenn Du kein Geld damit verdienst, wird es langfristig nichts.

Was macht denn Tobias eigenes Education-Startup Mein-Schulprojekt?

Mein-Schulprojekt.de ist 2012 durch den typischsten aller Startup-Gründe entstanden: Eigenbedarf. Sein Unternehmen bietet Sprachprojekte für Schulen an, bei denen man denkt: „So hätte ich selber gern Englisch gelernt.“

Die Leistung, die Mein-Schulprojekt bietet ist so einfach wie effektiv. Ein Native-Speaker für Englisch, Französisch oder Spanisch kommt als Tutor für eine Projekt-Woche in eine Schule. Das Projekt, das er mitbringt ist etwas, was die Schüler begeistert:

  • Ein Schauspieler, der ein Theaterstück mit den Schülern macht.
  • Ein Koch, der verschiedene Gerichte kocht.
  • Ein Baseball-Spieler, der innerhalb einer Woche ein Baseball-Team aufbaut usw.

Einziger Haken für die Schüler: Es wird nur Englisch gesprochen. Wer am Projekt teilnimmt, kommt nicht drum herum sich zum Englisch sprechen zu überwinden. So können die Schüler natürlich eine Sprache lernen, wie sie auch ihre Muttersprache gelernt haben. Wie in einer Gastfamilie.

Man kann sich das vorstellen wie eine Klassenfahrt nach London. Die Klassenfahrt wäre allerdings um ein vielfaches teurer. Nur das in diesem Fall das Ziel der Klassenfahrt in die Schule kommt und meistens mit einem sehr höheren Lernerfolg wieder geht.

Mehr über Tobias Himmerich erfahrt Ihr

Fotocredit: Founders Foundation 2016