Kaum ein Tag vergeht, an dem in den Medien nicht der Name Elon Musk fällt. Mal geht es um seine Automarke Tesla, dann wieder um das Weltraumunternehmen SpaceX und zwischendurch will er Gehirne mit Computern vernetzten. Und das ist längst noch nicht alles, weshalb nicht wenige sich fragen, was eigentlich im Kopf von Musk vorgeht. Wir wagen uns an eine Bestandsaufnahme.

Hand aufs Herz – wer hat noch den Überblick über die vielen Unternehmen, Projekte und  extravaganten Ideen von Elon Musk? Klar, die Automarke Tesla fällt da den meisten wahrscheinlich am ehesten ein. Gerade hat Tesla an Börsenwert seine amerikanischen Mitbewerber überholt und ist zumindest in dieser Kategorie die Nummer eins in den USA. Dabei sind die Umsätze überschaubar, und von Gewinnen kann sowieso noch keine Rede sein. Der Aktienkurs ist vielmehr eine Wette auf die Zukunft, da steckt eine Menge Fantasie drin.

Musk ist überall unterwegs: im All, über und unter der Erde

Das gilt auch für Musks zweitbekanntestes Unternehmen, SpaceX. Ob durch geplante Reisen zum Mars, wiederverwertbare Raketen oder die Konkurrenz durch Amazon – die Raumfahrtfirma sorgt für jede Menge Schlagzeilen. Auch Hyperloop elektrisiert die Medien. Die Idee, Züge mit Überschallgeschwindigkeit durch ein Röhrensystem zu jagen, stammt ja auch scheinbar aus der Grauzone zwischen Genie und Wahnsinn.

Die überirdische Teststrecke von Hyperloop (Foto: Hyperloop)

Und vielleicht werden die dafür benötigten Röhren auch gar nicht über der Erde aufgebaut, wie auf Bildern bisher zu sehen war. Schließlich hat Musk mit The Boring Ende 2016 ein Unternehmen gegründet, das sich mit Tunnelbau beschäftigt. Grund dafür soll seine Verärgerung über die ewigen Verkehrsstaus gewesen sein. Jetzt will er den Verkehr auf mehrere Ebenen unter der Erde. Womöglich ist ihm bei der Warterei im Auto auch die Idee zu seiner Wette gekommen, in Australien in 100 Tagen einen Batteriepark auf die Beine zu stellen. Könne er den 200 Millionen schweren Auftrag nicht in der Zeit erfüllen, gäbe es die Anlage geschenkt. Der Ausgang ist noch ungewiss.

Nicht alles ist wirklich innovativ

Um Energie, genauer gesagt, um Solarstromanlagen, geht es auch bei SolarCity, bereits 2006 gegründet, chronisch defizitär und Ende 2016 von Tesla übernommen. Zuletzt brachte Musk Solar-Dachziegel ins Gespräch, keine wirklich neue und bisher wenig beachtete Idee. Das ist eben der Unterschied: Sobald Elon Musk etwas auf die Tagesordnung setzt, wird es zumindest heiß diskutiert. Eines ist der in Südafrika geborene Multiunternehmer auf jeden Fall: ein Marketinggenie. Dass er als Geschäftsmann wirklich erfolgreich ist, hat er bisher noch nicht bewiesen. Manche seiner Ideen werden vielleicht niemals Realität, andere sind längst nicht so innovativ, wie der ganze Hype vermuten lässt.

Elon Musk

Ist Elon Musk also ein Visionär, ein Spinner oder einfach nur besonders clever? Was genau in seinem Kopf vorgeht, wissen wir natürlich auch nicht. Wir wissen aber, dass er sich seit einer Weile mit künstlicher Intelligenz, Computern und menschlichen Gehirnen beschäftigt. Und wie das alles miteinander zusammenhängen wird. Schon im Oktober 2014 erklärte er gegenüber Studenten des MIT:

„Ich denke, wir sollten sehr vorsichtig sein mit künstlicher Intelligenz. Wenn ich vorhersagen müsste, was unsere größte existenzielle Bedrohung ist, ist es vermutlich das. Also müssen wir sehr vorsichtig sein. Ich neige zunehmend dazu zu denken, dass es eine regulierende Aufsicht geben sollte, vielleicht auf nationaler oder internationaler Ebene, nur um sicherzustellen, dass wir nicht etwas sehr Dummes anstellen.“

künstliche Intelligenz – Gefahr und Chance zugleich

Bei einer Podiumsdiskussion im Januar 2017 äußerte er sich erneut zu den Gefahren der technologischen Entwicklung: „Wir sind alle längst Cyborgs. Du hast eine maschinelle Verlängerung von dir selbst in Form deines Smartphones und Computers und all der Anwendungen.“ In diesem Zusammenhang sah er eine Gefahr in der relativen Langsamkeit durch manuelle Eingaben: „Wir haben unsere kleinen Fleischstifte, die wir sehr langsam bewegen und mit denen wir Knöpfe drücken oder auf einen kleinen Bilschirm tippen..und das ist extrem langsam. Vergleiche das mit einem Computer, der auf Terabytelevel kommunizieren kann.“

Um diese Lücke zu schließen, hat Musk vor wenigen Wochen sein nächstes Projekt angekündigt: Neuralink. Ziel ist nichts weniger als die direkte Verbindung von Gehirn und Computer. Dafür müssten kleine Elektroden in das menschliche Gehirn eingepflanzt werden. Keine angenehme Vorstellung, die stark daran zweifeln lässt, dass diese Erfindung bald massentauglich werden könnte. Zudem sich die Frage stellt, wer am Ende wen kontrolliert und ob die künstliche Intelligenz so nicht erst recht die Macht übernimmt.

Für die Linderung oder Heilung von bestimmten Krankheiten könnten Implantate aber durchaus nützlich sein. Damit wird sich Neuralink in näherer Zukunft vermutlich auch vorrangig beschäftigen. Was darüber hinausgeht, sind vielleicht nur Hirngespinste, wie manches Andere aus Elon Musks Ideenkatalog. Trotzdem, die Welt braucht Menschen wie ihn, die Visionäre, Spinner oder Genies sind, und am besten alles zusammen.

Bild ganz oben: Tatiana Shepeleva/123RF