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[vc_row][vc_column][vc_column_text]Eine gute Möglichkeit zu verstehen, wohin sich unsere Startup-Welt entwickelt, ist in die Vergangenheit und auf die Herkunft all der Technologien zu schauen, mit denen wir täglich arbeiten, die wir weiter entwickeln und neu erfinden. Schließlich fingen selbst Hewlett und Packard 1939 in einer Garage in Palo Alto als Startup an. Während meiner Reise durch das Silicon Valley besuchte ich neben der HP-Garage  auch das Computer History Museum in Mountain View.

Dort wurde mir zum ersten Mal die historische Entwicklung der Computer und Software wie wir sie heute in unseren Startups sehen zum ersten Mal in drei großen Phasen klar:

Phase 1: Verteidigung und Raumfahrt

Die Entwicklung des modernen Computers begann im zweiten Weltkrieg. Ein wesentliches Projekt, das einen ersten Meilenstein darstellt, ist die Entschlüsselung der Enigma-Codes durch das Team um Alan Turing in Großbritanien. Von da an entwickelten sich Computer irrsinnig schnell weiter. Die Rechenleistung, die in den 40ern noch ganze Räume in Beschlag nahm schrumpfte in kurzer Zeit auf Schreibtischgröße. Nach der rein militärischen Nutzung waren die frühen Computer der 50er und 60er vor allem am Fortschritt in der Raumfahrt bis hin zur Mondlandung beteiligt.

Rechner einer Saturn-Rakete im Computer History Museum.

Rechner einer Saturn-Rakete im Computer History Museum

Phase 2: Sicherheit und Arbeit

Ab den 70er Jahren machen Computer die zivile Welt sicherer und beherrschbarer. Ein ganz einfaches Beispiel sind Airbags, die nur durch Mikrocontroller wirklich zuverlässig funktionieren und ABS: Das Anti-Blockier-System, das Autofahrern computergesteuert die Beherrschung eines Fahrzeugs bei blockierenden Rädern ermöglicht.

ABS-Steuergeraet Mercedes-Benz im Computer History Museum

ABS-Steuergeraet Mercedes-Benz im Computer History Museum

Automatisierung und Arbeitserleichterung waren bis in die frühen 80er hinein die großen Wachstumsfelder der Rechner. Auf der einen Seite durch Roboter, die computergesteuert harte, industrielle Arbeit erleichterten und beschleunigten und auf der anderen Seite waren da die Büro-Maschinen

Phase 3: Spaß und Bequemlichkeit

Diese Phase begann ebenfalls bereits in den 70ern, aber: Wer sich noch an Pong, Atari VCS2600 und Commodore C64 erinnern kann, der wird mir zustimmen, dass die breitentauglichen Geräte erst in den späten 90ern und frühen 2000ern auf den Markt kamen. Geräte, mit denen plötzlich auch Menschen Zugriff auf Rechnerunterstützung bekamen, die sich nicht mit der komplexen Bedienung auseinander setzen wollten.

Apple-1 von 1976 mit Autogramm "WOZ" von Steve Wozniak im Computer History Museum

Apple-1 von 1976 mit Autogramm „WOZ“ von Steve Wozniak im Computer History Museum

Insbesondere das immer zugänglichere Web in Gestalt des WWW sorgte für eine einfache Verbindung auch für Menschen, die nicht in militärischen Einrichtungen, Universitäten oder großen Unternehmen und Organisationen arbeiteten.

Aktuelle Phase: Mobilität und Ausbreitung in alle Lebensbereiche

Keine Frage, wir befinden uns momentan in der mit Abstand interessantesten Phase, die am tiefsten durch alle Bevölkerungsschichten dringt. Nicht zuletzt wurde diese Phase ermöglicht durch ein Gerät, dass die mobile Nutzung des Internet revolutionierte:

Das iPhone.

Doch neben dem Internet für die Hosentasche wurde durch das iPhone auch ein Prinzip der breiten Nutzerschaft zugänglich gemacht, das in der UNIX-Welt bereits seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt wurde: DOTADIW „Do One Thing And Do It Well“. Statt komplexer Programme mit umfangreichen Funktionen entstanden Apps, die eine meist eine Sache besonders gut machen und sich auf diese eine Sache konzentrieren.

Apps, die eine wesentliche Basis für die Entstehung tausender erfolgreicher Startups bildeten. Diese Startups machen es sich zur Aufgabe, ihren Kunden möglichst einfache Werkzeuge für die Bewältigung von alltäglichen Problemen zu liefern, für die keine großen und klobigen Computer mehr notwendig sind, die man nur im Büro oder zu Hause auf dem Schreibtisch bedienen kann.

Google Server von 1999 im Computer History Museum

Google Server von 1999 im Computer History Museum

Algorithmen sind die andere Säule, der Startup-Basis. Einfach gesagt sind Algorithmen eine Aneinanderreihung von Arbeitsschritten und Regeln, mit denen sich immer wieder kehrende Probleme lösen lassen. Der Google-Algorithmus findet die relevantesten Webseiten für uns, bei Amazon, ebay, Netflix werden uns passende Produkte vorgeschlagen, Facebook findet unsere Freunde und was sie uns mitteilen wollen, Dropbox lässt uns Dateien überall mit hin nehmen, der MP3-Algorithmus hat über den iPod das iPhone überhaupt erst möglich gemacht. Kompressions-Algorithmen allgemein ermöglichen Videokonferenzen, Film- und Musikstreaming und damit nicht nur neue Geschäftsmodelle sondern neue Formen der Zusammenarbeit.

Was kommt als nächstes?

Digitale Transformation, Big Data, Internet of Things – INSERT NEXT BUZZWORD HERE. 😉

Die Zukunft vorher zu sagen ist schwer. Die Menschen in Startups gehören meiner Meinung auch nicht zu denen die die Zukunft vorhergesagt bekommen müssen. Sie machen die Zukunft. 

Eine der meiner Meinung nach besten Ausblicke auf die technologische Zukunft ist das aktuelle Buch INEVITABLE von WIRED Mitbegründer Kevin Kelly. Einige der 12 Ausblicke, die Kelly sieht sind:

  • Künstliche Intelligenz– die beliebige Problemfelder lösen wird wie z.B. Projektmanagement und sich jetzt schon bsw. von Google mieten lässt
  • Dematerialisierung – nach Musik-CDs, DVDs und Büchern werden noch weitere physische Objekte digitalisiert
  • Fortschreitende Automatisierung – Roboter von Autodesk sind heute bereits in der Lage zu lernen wie van Gogh zu malen oder Brücken zu bauen
  • As a Service – wird immer mehr das Besitzen bzw. selber Einkaufen ablösen. Möbel as a Service, Kleidung as a Service usw.
  • Entfilterung – einige der o.g. genannten Algorithmen führen zu Filterblasen, in denen Nutzer nur noch wahrnehmen, was ihnen bereits gefällt. Services, die genau diese Blasen umgehen, werden Geschäftsmodelle werden

In der Ideen-Findung und Umsetzung dieser Entwicklungen liegt wieder die Stärke von Startups: Experimentieren, klein und dezentral starten, skalieren und entweder Marktführer werden, oder vom Marktführer einer Branche übernommen werden.

Und nun noch einmal festhalten bitte:

Das Computer History Museum hat zwar eine etwas größere Zahl an Exponaten, aber das Heinz Nixdorf Forum im ostwestfälischen Paderborn ist tatsächlich das größte Computermuseum der Welt! Dazu dann bald mehr :).

Bild ganz oben: Volodymyr Melnyk / 123RF[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]