Bist du ein Mensch? 8   +   5   =  

Fridtjof Detzner hat mit 16 Jahren gegründet. Und seitdem in und an seinen eigenen Unternehmen gearbeitet. Denn das ist es, was den Unternehmer von den anderen zwei Gruppen von Menschen unterscheidet:

  1. Es gibt die Facharbeiter und Experten, die ein bestimmtes Thema exzellent beherrschen und im Unternehmen daran arbeiten
    2. Dann gibt es die Manager, die helfen einer Gruppe von Menschen im Unternehmen zusammen zu arbeiten
    3. Unternehmer betrachten das ihr Unternehmer von außen und arbeiten daran statt darin. Fast als wenn sie gar kein eigener Teil davon wären.

Aufgabe 3 hat Fridtjof 18 Jahre lang beim erfolgreichen Startup Jimdo ausgefüllt und sich 2017 auf eine neue Aufgabe gestürzt: Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Entrepreneuren in Südostasien und Deutschland zu entdecken. Aus diesem Erfahrungsschatz und Abenteuern hat Fridel uns im rappelvollen Saal beim Founders Talk erzählt.

Die wichtigste Insight können wir getrost vorweg nehmen:

„Gründet nicht nur wegen der Kohle oder um einen Exit mit Investoren hinzulegen. Gründet mit dem Ziel, das ganze 5, 10 oder 18 Jahre lang zu machen und Spaß dabei zu haben. So bleibt ihr bei der Achterbahnfahrt stabil, auch wenn es mal so aussieht, als würde alles schief gehen.“

Naivität und einfach machen schaffen Innovation, Disruption und Erfolg

Eine sehr sympathische und ehrliche Erkenntnis gab es gleich zu Beginn: „Wenn ich gewusst hätte, was alles auf mich zukommen würde, hätte ich es vermutlich nicht gemacht“

Fridtjof Detzner - Jimdo - Bauernhof FoundersTalk

Damit wollte Fridtjof keineswegs demotivieren, sondern Gründer ermutigen, ihre eigenen Problemlösungen zu entwickeln und sich von „das haben wir schon immer so gemacht“ nicht abschrecken zu lassen. Wer mit 16 gründet, wird vom Amt erst einmal nach Hause geschickt und muss mit seinen Eltern wieder zurück kommen, die bürgen, falls etwas nach hinten losgeht. Das taten die Eltern von Fridtjof und seinem Co-Foudner Christian, dessen Vater übrigens immer noch der Steuerberater von JIMDO ist.

Baue ein Business Model, das größer als Du selbst ist

Zunächst mal hatten Christian und Fridtjof Mitte 2004 mit ihrer Agentur Northclick Webseiten gebaut. Sie bemerkten, dass die immer wieder kehrenden Schritte, die beim professionellen Webseitenbau anfielen, nur bedingt Spaß machten. Also starteten sie ein Experiment und bauten ein Produkt, mit dem sie die repetitiven Schritte automatisieren konnten.

Zusammen mit dem dritten Co-Founder Matthias bauten sie das Produkt Jimdo zu einem Werkzeug aus, mit dem mittlerweile über 20 Millionen Webseiten rund um die Welt erstellt wurden. Als Agentur, die immer nur ihre eigene Zeit und die der Mitarbeiter verkaufen kann, wäre das nicht möglich gewesen.

Mach ein Experiment draus!

Das erleichtert den Start. Denn ein Experiment setzt immer voraus, dass es unter Umständen nicht funktioniert, aber: Es bringt immer einen Lernerfolg, den ihr im nächsten Experiment wieder einsetzen könnt, um euch weiter zu entwickeln.

Bootstrapping 2000-Style

Als die drei Jimdo Founder starteten, war der Begriff Startup in Deutschland noch relativ unbekannt. Investoren ebenfalls. Also hilft nur eins: Sparen und in die eigene Firma reinvestieren. Das sah bei Jimdo so aus, dass die Company Mitte der 2000er erstmal in die freien Zimmer auf dem Bauernhof von Fridtjofs Eltern einzog. Die Gründer kamen mit dem Nötigsten aus, um ihrem ersten Angestellten sein Gehalt zahlen zu können.

Die Vision war immer: Etwas Großes bauen, das jeden enabled, eine eigene Webseite zu bauen.

Wenn es größer wird: Investoren suchen

Den dreien war klar: „Wir wären schön blöd, wenn wir das Potenzial nicht groß aufziehen“. Wer mit Lean Bootstrapping erfolgreich unterwegs ist, kann Investoren durchaus überzeugen. Also sind sie mit Fridels Bulli und einem Stuhl durch Deutschland gefahren und haben Investorengespräche geführt. Im Bulli. Unter anderem auch mit Oliver Samwer persönlich und seinem damaligen European Founders Fund. „Der hat in unglaublich kurzer Zeit soviel Wissen rausgehauen, das war der Wahnsinn und unheimlich hilfreich“ erinenrt sich Fridtjof.

Investoren Insight: „Wenn Du den ersten Investoren kriegst, kriegst du auch die nächsten. „

Wenn das Folgeinvestment nicht passt

Ein großer Konzern stieg mit 30% bei Jimdo ein. Das brachte eine Menge Geld und Wachstum. Aber auch viel Arbeit und Reibungsverluste im Management der Kooperation, sodass sich die Founder nicht mehr auf die Vision und Weiterentwicklung stecken konnten. Klar, wenn man gleichzeitig Unternehmer, Entwickler und Manager für den Konzern-Partner sein muss. Den Founders wurde klar: „Wir müssen da wieder raus.“

„Wir haben uns im Guten getrennt. Trotzdem sind wir direkt vom Notar raus ins nächste Kaffee, haben uns erstmal betrunken und sind dann mit einer Kiste Bier zurück in die Firma. Wenn Du da reinkommst und alle klatschen, weil Du die 30% wieder zurück ins Unternehmen geholt hast, weißt Du, dass Du was richtig gemacht hast.“

Menschen wollen Selbstwirksamkeit

Bei JIMDO gibt es Bildschirme, auf denen Tickets nach Dringlichkeit anfangen zu brennen. Das kann man als Megamotivation durch Druck interpretieren. Vielmehr ist aber das Ziel, den Leuten ein Gefühl der Selbstwirksamkeit zu geben. Dass sie selber entscheiden und etwas erreichen können. Daten und KPI machen diese Selbstwirksamkeit vor allen Dingen sichtbar.

Zitat eines befreundeten Sporttrainers von Fridtjof:

„Manchmal ist es falsch, Leute zu motivieren. Manchmal sollte man sie einfach nur nicht demotivieren.“

In Probleme rennen und lernen sie zu lösen

Das Unternehmen war Fridtjofs Ausbildung. Seit er 16 ist. Wenn man einen Webseiten-Baukasten für die ganze Welt bauen will, muss man nach anderen Lösungen suchen, als man sie in klassischen Ausbildungen lernt. „Mit der Zeit wird man in dieser Arbeitsweise gelassener, weil Du lernst und immer besser darin wirst, Probleme zu lösen.“

Hiring & HR Side-Fact: Der Vorteil, wenn Du immer Leute einstellst, die die Aufgabe besser erledigen können, als Du selbst, kannst du dich auch mal für 1 Jahr aus dem Unternehmen rausziehen und ganz was anderes machen.

Lektionen in Demut im Founders Valley

Da war wieder die Naivität: Als die Deutsche Welle anfragte, ob Fridel Bock hätte, durch die Welt zu reisen und andere Gründer zu treffen, sagte er sofort ja. Ohne jemals eine Fernsehproduktion gemacht zu haben. Und fand sich in 2017 über 100 Tage auf Reisen wieder. Zu Entrepreneuren in Asien mit 2 Kameraleuten und 5 Redakteuren im Gepäck.

Die UN hat 17 Nachhaltigkeits-Probleme definiert. Einige davon nahm sich das Team von Founders Valley als Leitfragen und lernten dabei Gründer kennen, die genau in diesen Feldern arbeiten. Zum Beispiel:

    • Urbanes Leben in HongKong
    • Klimawandel in Bangalore
    • Versorgung mit Essen in Indonesien
    • Umweltverschmutzung in Indien
    • Energie-Inititaive in Malaysia
    • Gründer-Support in Bangladesch
    • Erschwingliche Gewächshäuser für Farmer in Telangana

Während des Founders Talk konnte Fridtjof nicht jedes einzelne Projekt im Detail beschreiben. Viel mehr gelang es ihm neben den bedrückenden Erlebnissen, die für ihn schwer auszuhalten waren, der Armut und der Erkenntnis, dass wir im Westen viele Risikojobs und umweltverschmutzende Aufgaben nach Asien outgesourced haben, auch zu zeigen:

Gründen kann mega viel bewirken und einen echten Impact erzeugen, wenn man als Entrepreneur Menschen wirklich helfen möchte.

Einige Eigenschaften, die Gründer auf der ganzen Welt gemeinsam haben:

        • Getriebenheit, etwas voran zu bringen
        • Passion für ihre Vision
        • Teams aufbauen und aligned halten, die großartig zusammen arbeiten
        • Fokussierung auf das, was sie für Menschen bewirken
        • Probleme möglichst innovativ und einfach lösen
        • Hilft anderen Menschen (als Mitarbeiter oder Kunden) besser zu arbeiten
        • Verbindet Produkte, Leistungen und Know-how in einer Art, wie es bisher niemand gemacht hat
        • Verantwortung übernehmen, wenn mal was schief läuft

Wie kann Fridtjof bei all dem Workload so entspannt sein?

Den Rat an das Publikum haben wir eingangs bereits vorweg genommen. Macht das, was Euch richtig Spaß macht. Mit einer kleinen Nebenbemerkung erklärte Fridtjof (vielleicht ohne es selber wahr zu nehmen) warum er so entspannt ist:

„Ich bin Skilehrer. Was anderes habe ich nicht gelernt“ antwortete er auf die Frage eines Studenten, was denn heutzutage studiert werden sollte und zeigte damit, dass selbst sein Plan-B eher die Leidenschaft ist, als die sichere BWL-Laufbahn.

Ganz realistisch sagte er aber auch: „Wenn eine Gründung in jungen Jahren nicht hinhaut, ist das natürlich viel weniger schlimm, als wenn man sich mit 40 und 2 Kindern nochmal ins Risiko stürzen muss.“

Fridtjof Detzner raus aus der Komfortzone beim Kite Surfing

Fridtjof Detzner beim Kite Surfing

Lifehack: Raus aus der Komfortzone

Sich selber challengen und etwas neues tun, hilft nicht nur lebendig zu bleiben. Wenn ihr etwas macht, das ihr nicht versteht und was außerhalb eurer Komfortzone liegt, bringt euch das gleichzeitig die Chance etwas zu lernen und euch selbst neu zu erfinden. Oder wie Fridel in diesem Talk mehrmals betonte: „In Probleme rennen und lösen, macht dich besser im Probleme lösen“.

Wie wir auf seiner Webseite Fridel.de entdeckt haben, hat er neben Surfen, Kiten und Paragliden auch eine ganz alltägliche Methode gefunden, um regelmäßig seine Perspektive zu wechseln und in vielen Bildern festzuhalten: Überall auf der Welt machte Fridtjof schon Handstand und sah die Welt upside down. 

Die Serie Founders Valley mit Fridtjof Detzner

Die erste Folge könnt ihr direkt hier ansehen. Alle 10 Folgen à 26 Minuten findet ihr in dieser YouTube Playlist. Sehr inspirierend!

Buchtipps

Diese drei Bücher nannte Fridel während des Talks als große Inspirationen: