Eigentlich ist es ja die Idealvorstellung vieler Gründer: Startup aufbauen, erfolgreich machen, große Userbase mit Spitzenprodukt aufbauen und dann entweder den eigenen IPO hinlegen oder sich von einem Tech-Unternehmen für zwei- bis vierstellige Millionensumme kaufen lassen.

Das Problem ist nur:

Tech-Giganten kopieren mittlerweile auch gerne mal erfolgreiche Features

Ganz besonders sieht man das in letzter Zeit bei Facebook und Instagram, wo Kernfeatures von Snapchat (das sich ja zweimal nicht von Facebook kaufen lassen wollte und dann einen eher semi-erfolgreichen IPO hinlegte) kopiert werden.

In traditionellen Branchen läuft das im übrigen schon lange so. Schauen wir uns nur mal den Food-Bereich an: Hier werden neue Produkte gnadenlos kopiert und Me-too-Produkte auf den Markt gebracht, sobald sich eine neue Nische abzeichnet. Das Konzept Energy-Drink oder Mini-Torete-mit-Pudding lässt sich eben nicht patentieren.

Im Bereich der Patente sieht es dagegen wieder ganz anders aus: Die Automobilindustrie arbeitet seit Jahrzehnten mit gegenseitig genutzten Patenten. Ist in vielen Fällen auch logisch: Patentabgaben zahlen und die Umsetzung an die eigenen Kundenwünsche und Qualitätsstandards anzupassen ist in der Regel deutlich günstiger und geht viel schneller, als für jede Innovation eine Eigenentwicklung zu produzieren.

Um mal zwei Beispiele aus der Literatur zu nennen: Game of Thrones Autor George R.R. Martin sagt immer gerne: „Klaue aus einer Quelle und es ist ein Plagiat. Klaue aus vielen Quellen und es ist Recherche.“
Und Maria Popova von Brainpickings zeigte neulich in einem Vortrag: „Kreativität und Innovationen sind wie Lego-Steine.“

Facebook kopiert momentan am aggressivsten:

Mittlerweile scheint der Punkt gekommen zu sein, wo es für die großen Unternehmen einfacher, günstiger und schneller zu sein scheint, Funktionen einfach nachzubauen, wenn erfolgreiche Startups bereits gezeigt haben, wie groß das Interesse der Kunden ist. Natürlich einerseits durch nahezu unerschöpfliches Budget aber natürlich auch durch tausende von erfahrenen Entwicklern, die auf bestehender Infrastruktur schnell etwas bauen können.

Facebook kennt sich mit Copycats aus. Momentan auf Seiten des Kopierers. Vor 10 Jahren aber auch auf der Seite der Kopierten.

Über ein aktuelles Beispiel hat kürzlich das Wall Street Journal geschrieben: Facebook arbeitet momentan an einer App mit dem Codenamen Bonfire, das ein einfacher Videochat für mehrere Personen werden soll. Vergleichbar mit der populären App Houseparty.

Beim großen, blauen Social Network gibt es laut WSJ wohl bereits den internen Slogan: „Don’t be too proud to copy“. Begründet wird das auch damit, dass den Kunden gegeben werden soll, was sie wollen. Denn nach aktuellen Studien haben Smartphone-Nutzer zwar knapp über 80 Apps installiert, benutzen letzten Endes aber nur 7 bis 8 regelmäßig. Da ist es besonders im Interesse der großen Netzwerke, Funktionen von aufstrebenden Apps schnell selbst anbieten zu können, bevor Nutzer weglaufen.

Wie könnt ihr euch nun gegen Copycats schützen?

Steve Jobs hat immer gerne Picasso zitiert:

„Good artists copy – great artists steal.“

Was könnt ihr also tun, um zu verhindern, dass euch euer Produkt oder das wichtigste Feature eures Produkts geklaut wird? Wir haben mal einige Ansätze zusammen gestellt:

Macht euch nicht von einem Unternehmen oder Kanal abhängig

Meerkat war ein vielversprechendes Live-Streaming Tool. Und als solches eng verzahnt mit Twitter. Es war so lange erfolgreich, bis Twitter mit Periscope ein ganz ähnliches Tool rausbrachte. Meerkat hatte sich so stark von Twitter abhängig gemacht, dass es danach die Kurve nicht mehr kriegte.

Seid der Zeit immer einen Schritt voraus

Giganten haben in der Regel – auch im Tech-Bereich – einen Nachteil: Sie sind langsam. Hier könnt ihr wie ein Schnellboot maneuvrieren und neue Features und Technologien ausprobieren, die euer Produkt besser machen.

Nutzer, Nutzer und nochmal: Nutzer

Menschen, die euer Produkt begeistert nutzen und sogar dafür bezahlen können nicht kopiert werden. Loyale Kunden sind im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert.
Aber: Die Kunden möglicherweise auch so loyal sein, dass sie sich verkauft fühlen, wenn euer Startup übernommen wird. Möglicherweise ist das nach einer Übernahme nicht mehr euer Problem, trotzdem solltet ihr mit offener und ehrlicher Kommunikation eure Kunden auf dem Laufenden halten. So wirkt ihr dem Gefühl eines Sellout vor.

Woher kommen die Nutzer? Service!

Seit so nah wie möglich an euren Kunden dran. Sprecht nötigenfalls direkt mit jedem einzelnen Kunden, wie Airbnb es in seiner Anfangszeit getan hat. Seid persönlich ansprechbar und vernetzt eure Kunden untereinander.

Kundenfreundlichkeit und Innovation

Wenn ihr im letzten Schritt gut aufgepasst habt, dann wisst ihr GENAU was eure Kunden wollen und brauchen. Gebt es ihnen! Arbeitet mit Hochdruck an den Features, die es euren Nutzern noch einfacher machen, euer Produkt zu nutzen.

Pivoted euer Business Model wenn nötig

Solltet ihr feststellen, dass der Markt eine bestimmte Leistung sehr viel mehr honoriert, als eure angebotene: Ändert euer Geschäftsmodell! So lange ihr klein seid, könnt ihr euch schnell an veränderte Voraussetzungen anpassen.

Und wenn euer Markt doch attackiert wird?

Der Pivot kann auch erzwungen werden, wenn ein großes Unternehmen erfolgreich in euren Markt eintritt. Statt einer direkten Konfrontation, solltet ihr auch dann auf die Suche nach einer neuen Nische machen, in der ihr koexistieren könnt.
Alternativ könnt ihr mit einem direkten Konkurrenten des neuen Player in eurem Markt kooperieren und so eure Kräfte bündeln.

Was sind eure Erfahrungen oder auch Ängste in Sachen Copycats? Diskutiert mit uns auf Facebook oder gebt uns über das Kontaktformular Feedback.

Artikelbild: Alain Pham on Unsplash