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Ideen über Ideen

Die Diversität an verschiedenen Ideen ist wohl in keinem anderen Wirtschaftszweig so hoch wie in der Startup-Szene. Wenn ich mich in irgendeinem Startup-Ballungsraum mit Mitarbeitenden einzelner Unternehmen unterhalte und sie nach ihren Geschäftsmodellen frage wirken die Antworten auf mich immer in etwa so:

„Wir haben einen Zahnstocher geschnitzt, der den Klimawandel stoppen und den Welthunger besiegen kann.“

oder

„Wir entwickeln grade eine Software-Solution zur Optimierung der Supply-Chain in der Glasfaserindustrie.“

und

„Wir stellen genderneutrale kompostierbare vegane Dildos mit süßen Alpaka-Motiven her.“

Meine Reaktion liegt dann immer zwischen „Ah verstehe!“ (dabei verstehe ich nicht) oder einem (ironischen) „Aaaach als ob – das wollte ich auch immer machen!“, das nur sehr selten als Ironie verstanden wird. Dann beginne ich Rückfragen zu stellen, die im Subtext meistens auf nur drei Antworten abzielen. 1) Warum das? 2) Kann man davon leben? (dabei hasse ich die Frage selbst) und 3) WIE ZUM TEUFEL KOMMT MAN AUF SOWAS?

Ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert, beeindruckt, überwältigt und verstört, wenn mir jemand sein Geschäftsmodell entfaltet. Genie und Wahnsinn liegen nicht nur nah beieinander, sie überlappen sich in der Mitte und bilden eine Ideensuppe in der so mancher Gründer bereits erfolgreich gefischt hat.

Drei Prozesse der Ideenfindung

Bei meinen tiefergehenden Studien der Spezies „Gründer“ konnte ich inzwischen drei unterschiedliche Varianten im Umgang mit Ideenfindungsprozessen ausmachen:

1)    Am Anfang war die Idee.

Man sollte meinen es wäre das klassische Modell: Jeder hat wahrscheinlich schonmal mitten in der Nacht besoffen mit Freunden auf irgendeinem Tresen gelegen und über die Missstände der Welt (Bierflasche geht immer leer, Pissoir viel zu klein…) geklagt und philosophiert was man besser machen würde. Irgendwann gab es ein herzliches Schulterklopfen und man einigte sich wortgewandt „Damüssemanechtmamachen!“ „Dasjetz unsa Planbeh!“. Ich habe mich schon oft gefragt mit welchen Innovationen die Menschheit bereits gesegnet wäre, wenn Betrunkene morgens früh noch ihr Serviettengekritzel entziffern könnten. Aber ich schweife ab. Der Punkt ist: Der Klassische Weg zum Startup ist die Idee, die vorher keiner hatte, oder zumindest noch nie so gut! Und dann braucht es Mut zur Umsetzung.

2)    Am Anfang war das Nichts.

Das hat mich tatsächlich irritiert – es gibt Menschen, die erst ein Startup Gründen (aus Gründen…) und dann erst wird nach einer Idee gesucht, die man anpacken kann. Innerhalb von zwei Tagen präsentierte man mir erst irgendwas mit Lieferketten, dann irgendwas mit Altmetall und danach war noch irgendwas mit Zahnpasta. Und ich fragte mich die ganze Zeit, ob man die nötige Leidenschaft, die es braucht um so ein Unternehmen aus der Taufe zu heben und groß zu machen, entwickeln kann, wenn man das Unternehmen um des Unternehmen-Habens-Willen hat und nicht wegen der Sache die einen gepackt hat. Aber wer bin ich, dass ich urteile…

 

3)    Am Anfang war ein Trend

Das finde ich tatsächlich sehr lustig. Es gibt Startups, deren Ideenfindung ich mir wie eine Art Puzzlespiel vorstelle. Zunächst braucht man einen aktuellen Trend aus dem Internet, am besten was mit Tieren. Dann braucht man einen Lebensbereich, der meistens im Dunkeln liegt und ans Licht gezerrt gehört und zu guter Letzt ein problemlösendes Produkt, dass in Design und Funktionalität beide Bereiche verquirlt und politisch korrekt ist und die derzeitigen Ernährungs- und Gesundheitstrends aufgreift.

Trendy

Also dann.

Bald auch in Ihrer Nähe erhältlich: Der Flampon – ein nicht an Tieren getesteter, glutenfreier Tampon in Flamingo-Optik für Sie und Ihn!

Stay witty!

 

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