In diesem Interview erfahrt ihr aus erster Hand wie das Bielefelder KI-Startup mercury.ai mit seinem ersten großen Kunden zusammen gearbeitet und einen intelligenten Chatbot zum Kochen entwickelt hat. Beim Pitch Day 2016 hatten wir Euch das Startup für Agents mit künstlicher Intelligenz mercury.ai ja bereits vorgestellt.

Nun hat das Team um Stefan Trockel sein erstes großes Kundenprojekt abgeschlossen und einen Chatbot mit künstlicher Intelligenz für einen großen Kunden aus der Lebensmittelindustrie gebaut. Dazu haben wir Stefan ein paar Fragen gestellt:

Stefan kannst Du uns schon verraten wer der erste Kunde von mercury.ai ist und was ihr für diesen Kunden entwickelt habt?

Klar. Wir haben für die Nestlé Marke Maggi einen Chatbot auf der Mercury.ai Plattform umgesetzt, der Dir Inspiration, Antworten und Hilfe rund um das Thema kochen und Rezepte bietet. Wer kennt nicht die täglich wiederkehrende Frage: „Was soll ich heute bloß kochen?“ Dank des Chatbots KIM, das steht für Kitchen Intelligence by Maggi – kannst Du jetzt im Facebook Messenger einfach eine Nachricht an das Maggi Kochstudio schicken und bekommst Hilfe wie von Muttern 😉

Der Chatbot kann Dir sagen, was für Rezepte du mit den Zutaten kochen kannst, die du noch zu Hause hast oder was du in 30 Minuten mit Broccoli und ohne Nudeln kochen kannst. Dabei merkt der Chatbot sich Deine Vorlieben, wie z.B. dass du keinen Lauch magst, und Allergien und Unverträglichkeiten. Auch Vegetarier müssen dem Bot das nur einmal sagen, um nie wieder Rezepte mit Fleisch vorgeschlagen zu bekommen. Ach und Kochtipps kann der Bot auch. Probier’s am besten selbst mal aus. Der Chatbot ist seit heute live.

Wie kam denn der Kontakt und dann der Deal zu Stande?

Ich bin ja in meinem „anderen Leben“ Strategie Direktor bei der Agentur Publicis Pixelpark und Nestlé ist einer der großen weltweiten Kunden der Agentur. Auf Vermittlung des deutschen Strategie Chefs der Agentur habe ich das Thema Chatbots dort Mitte 2016 vorgestellt und es hat sofort klick gemacht. Danach wurde die Projektidee in einem Nestlé internen Innovationswettbewerb eingereicht und hat diesen gewonnen. Damit war dann der Startschuss für ein MVP Projekt gegeben, also ein Projekt in dem wir ein „minimum viable product“ erstellen sollten. Dafür hatten wir 100 Tage Zeit. Das Ergebnis war dann so gut, dass die Folgebeauftragung kam, um den Chatbot „richtig“ marktreif zu machen.

Wie lief die Zusammenarbeit und das Projektmanagement in etwa ab?

Hier muss ich zuerst einmal ein dickes Lob und Dankeschön an das ganze Projektteam von Nestlé aussprechen. Es erfordert schon eine Menge Vertrauen, Gelassenheit und professionelles und strukturiertes Arbeiten um als erster Kunde mit einem gerade erst gegründeten Technologie Startup zusammenzuarbeiten. Und dann noch mit einem AI bzw. Machine Learning Produkt.

Die große Schwierigkeit ist hier nämlich – neben noch nicht existierenden Prozessen, einem unfertigen Produkt und den sonstigen Wachstumsschmerzen eines neuen Unternehmens, dass sich Ergebnisse und Erfolge des Machine Learnings erst mit einer größeren Zahl von Trainingsdaten einstellen. Das bedeutet zwangsläufig das Durchlaufen einer (geschlossenen) Trainingsphase mit unbefriedigenden Ergebnissen. Das war natürlich auch bei uns so, aber der Aufwand von über 6000 Trainingsdialogen hat sich gelohnt und wir sind mit einer nun sehr guten Performance belohnt worden.

Zur Zusammenarbeit kann man sonst noch sagen, dass wir agil entwickelt haben und das Kundenteam sehr eng in unsere Abläufe eingebunden haben. Wir haben gemeinsam auf einem JIRA Board gearbeitet, dort die User Stories von ihrer Definition bis zu den Tests abgebildet und gemeinsam Sprintplanungen und Reviews gemacht. Das war einerseits sicher gut um den oben genannten Herausforderungen zu begegnen, hat aber auch dazu geführt, dass wir insgesamt sehr schnell und effektiv gearbeitet haben.

Habt Ihr dann recht gezielt für diesen Kunden entwickelt oder habt Ihr versucht, Euch weiterhin möglichst breit aufzustellen?

Wir mussten zwar gleichzeitig an unserer Plattform und am Chatbot des Kunden, der auf der Plattform läuft arbeiten, aber da der konkrete Anwendungsfall und seine Anforderungen sehr prototypisch für die meisten Anwendungen ist, ließ sich das sehr gut vereinbaren.

Und wie handelt man dann einen guten Deal aus? Wie lange haben die Verhandlungen gedauert?

Da die Projektgröße für das initiale Projekt durch den Innovationswettbewerb vorgegeben war, lief das automatisch. Danach gab es natürlich Verhandlungen aber die liefen dann aufgrund der bereits guten Zusammenarbeit sehr unkompliziert ab. Man muss wenn man mit sehr großen Unternehmen als Kunden arbeitet aber sicher im Normalfall von Vorlaufzeiten von mehreren Monaten ausgehen. Denn neben der eigentlichen Fachabteilung hat meistens noch der Einkauf, die IT und immer öfter auch die Rechtsabteilung (wegen Datenschutz) mitzureden.

Kannst Du für andere Gründer – vor allem im hochtechnischen B2B-Umfeld – ein wenig erklären, wie man erste Kunden erreicht?

Wir haben da sicher etwas andere Voraussetzungen als die meisten jungen Unternehmen, da durch unsere Zusammenarbeit mit Publicis Pixelpark und auch meine vorherige Arbeit für große Unternehmen ein gewisses Netzwerk da ist.  Aber eine Sache ist klar: Wenn Du gute Arbeit ablieferst, dann spricht sich das rum. Bei einem heißen Thema, wie aktuell Chatbots, sicher besonders stark. Aber der Ansatz, aus Kunden Multiplikatoren zu machen funktioniert bei B2B genauso wie bei B2C.

Wo können unsere Leser den mercury.ai Chatbot finden und was sollten sie den Bot unbedingt fragen?

Zum Bot geht es hier lang: https://m.me/MaggiKochstudio

Logo mercury.ai

Natürlich empfehle ich Dir, mit Kim über Rezepte zu sprechen. Sag einfach mal „Ich habe Hunger“. Wenn Du Dir ein Rezept genauer angesehen hast, frag mal, wieviel Fett da drin ist 😉 Wenn Du gerade wenig Zeit hast um einkaufen zu gehen empfehle ich auch das Feature, Dir die Zutaten direkt von Rewe nach Hause liefern zu lassen.

Es ist aber auch lustig, „einfach so“ ein wenig mit Kim zu chatten. Frag mal, was sie ist und wo sie wohnt 😉

Kurzer Selbstversuch des Autors mit Kim

Als passionierter Hobby-Koch musste ich Kim natürlich gleich mal testen. Die Nutzung ist super intuitiv und ich bin unter einer Minute zu meinem gewünschten Ergebnis gekommen. Da sieht man die Stärke von guten Chatbots: Sie ersparen einem das „durch eine Webseite mit vielen Auswahlmenus klicken“.

Und sogar auf Einschränkungen wie „Gig mir Low-Carb Paleo Rezepte“ wusste Kim mehrfache, leckere Antworten:

mercury.ai Chatbot Maggi KochstudioSehr cool ist, dass der Chatbot bsw. gleich die Einkaufsliste an den Online-Supermarkt übergibt und man direkt bestellen kann.

Und Humor hat er auch. Den „Herr Ober!“-Witz kannte ich noch nicht:

mercury.ai Maggi Kochstudio Chatbot Humor Witz

Artikelbild: unsplash.com Dan Edwards

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