Bist du ein Mensch? 4   +   8   =  

Über das Internet of Things (IoT) haben wir schon mehrfach geschrieben. Heute schauen wir uns an, welche Unternehmen Ostwestfalen zu einem weltweit wichtigen Standort für Industrie 4.0, Maschinenkommunikation und eben das Internet der Dinge machen. Und wie Startups diese Unternehmen durch IoT-Projekte wertschöpfend miteinander verbinden können.

Wichtiger Termin vorneweg:
2017 findet im ostwestfälischen Lemgo der weltweit größte industrielle Hackathon statt. Vom 3. bis 5. März werden in der SmartFactoryOWL für 42 Stunden Produkte und Softwarelösungen auf einer offenen Produktionsplattform entwickelt.

Die Industrien in OWL werden IoT-Innovationen brauchen und vorantreiben

Weltmarktführer haben wir in Ostwestfalen reichlich. Sehen wir uns einige Teil-Geschäftsmodelle unserer regionalen Unternehmen an, so stellen wir fest, wieviel Potenzial hier für Startups besteht, smarte Produkte fürs Internet of Things zu entwickeln. Wir haben einmal 10 regionale Unternehmen mit starkem IoT-Bezug heraus gepickt, um Anknüpfungspunkte für Startups zu zeigen:

  1. Benteler arbeitet als eines der 20 größten Familienunternehmen und einer der größten Automobilzulieferer der Welt, bereits seit über zwei Jahren an selbstgesteuerten Produktionsanlagen. Dabei setzt das Unternehmen u.a. auf Fog Data Technologie von Cisco.
  2. Claas in Harsewinkel ist führender Hersteller von Landmaschinen. Wer sich etwas in der Landwirtschaft auskennt weiß, wie stark digitalisiert Farming 4.0 bereits heute ist. Automatisch über das Feld fahrende Mähdrescher sind hier nur ein Beispiel. Viel interessanter sind die hohen Dokumentationsauflagen, die Landwirte heute erfüllen müssen. Diese Bürokratie hat wenig mit Landliebe zu tun und Startups, die Bauern helfen den Düngemittelverbrauch, Maschineneinsatz, Landvermessung und Tierfütterung zu optimieren, können mit Sicherheit punkten.
  3. DMG MORI ist einer der weltweit führenden Hersteller von CNC-Dreh- und Fräs-Maschinen, die teures Produktionsmaterial bearbeiten. Je mehr Vorarbeit digitalisiert werden und je effizienter die tatsächliche Arbeit gestaltet werden kann – zum Beispiel durch intelligent kommunizierende Produktionsanlagen, desto attraktiver ist der Einsatz solcher Maschinen für die Industrie.
  4. Dr.Oetker hat alleine schon durch seine Lebensmittelprodukte im Einzelhandel einen interessanten Bedarf an IoT: Smarte und nachhaltige Verpackungen sind das Offensichtliche. Weiter unten gehe ich noch auf einen Cross-Use-Case ein. Aber auch OEDIV – die eigene IT-Firma der Oetker-Gruppe – könnte zukünftig ein Abnehmer für IoT-Lösungen werden: Stichwort ist hier das digitale B2B Dokumentenformat EDI (Electronic Data Exchange), das wir noch einmal in einem gesonderten Beitrag mit einem Experten beleuchten werden.
  5. Hella in Lippstadt kennt man für ihre Automobilleuchten. Hier besteht schon alleine viel Potenzial für denkende Dinge: Blinker mit Sensoren, die nicht nur den Fahrer, sondern auch die Fahrzeuge um ihn herum per Car to Car Communication in Gefahrensituationen warnen können. Sensoren und Kamerasysteme, die mit der Infrastruktur kommunizieren und auf schlecht einsehbaren Strecken interaktive Warnschilder aktivieren, ist ein weiteres Beispiel.
  6. Melitta in Minden entwickelt unter anderem die Kaffeemaschine der Zukunft, die Brühgeschwindigkeit mit exzellenter Bohne-zu-Tasse-Qualität verbindet. Kaffee ist in der Gastronomie meistens Produkt mit der höchsten Marge. Wenn Gastronomen hier effizienter Wertschöpfung betreiben können, eröffnet sich ein interessantes Startup-Feld bis hin zu Feinschmeckerautomaten, die ihre Kunden erkennen und Kaffee-Variablen wie Mahlgrad und Wassertemperatur danach einstellen.
  7. Miele: Beim Haushaltsgerätehersteller in Gütersloh ist der IoT-Bedarf in etwa so offensichtlich wie bei Dr.Oetkers Verpackungen: Neben dem oft als Beispiel konstruierten Internet-Kühlschrank, der seine Milch automatisch bestellt, ist bsw. der smarte Backofen zu nennen. Anhand der ebenfalls smarten Pizzaverpackung erkennt das Gerät, wie der Ofen eingestellt werden muss, um das vom Kunden gewünschte Backergebnis zu erzielen: Cross oder matschig?
  8. Phoenix Contact im lippischen Blomberg stellt eine der grundlegenden Technolgien für IoT in der Industrie her: Das Produkt Trusted Wireless 2.0 stellt eine sichere Funkverbindung für Daten über Distanzen bis zu einigen Kilometern für Industrieanlagen zur Verfügung. In zwei Unternehmensstandorten ist bereits das eigens entwickelte Building IoT Ecosystem integriert, mit dem unterbrechungsfreie Stromversorgung, Feueralarmsystem, Klimaanlage und Heizungssystem in einem web-basiertem Userinterface zusammen geführt wurden.
  9. Schüco verkauft Fenster und Fassaden. Was kann daran schon smart sein? Eine ganze Menge: Sensoren innen und außen können bsw. die Luftqualität messen und ein Lüften anraten oder bei zu viel Smog draußen vor Öffnen warnen. Aber auch Augmented Reality auf Fensterflächen und Fenster als Monitore können in naher Zukunft ein Thema werden.
  10. Westaflex in Gütersloh rührt bereits seit einiger Zeit im Topf der Smart Homes und damit auch im Internet of Things. Mit seiner Produktlinie der automatischen Wohnungsbelüftungen stellt es ein zentrales System zukünftiger Behausungen her. Hier zeichnet sich ebenfalls ein Cross-Use-Case – diesmal mit Schüco ab: Die Fassade meldet der Lüftungsanlage Sensordaten, mit denen die Luftqualität zeitnah verbessert werden kann. Oder mit Miele: Wenn der Staubsauger saugt, steigert auch die Lüftungsanlage ihre Leistung, um Staub, der es nicht in den Beutel schafft zu beseitigen.

Was bedeutet das für Startups im IoT-Umfeld?

Es gibt viel zu tun! Der Vorteil von Startups ist es, unabhängig und visionär denken zu können. Sie können Produkte entwickeln, deren Bedarf selbst den Experten in der Industrie noch nicht klar geworden ist.

Startups können mit ihren Produkten ganze Branchen miteinander verbinden. Unternehmen, die noch gar nicht auf die Idee gekommen sind, dass es wertschöpfende Schnittpunkte mit einem anderen Weltunternehmen geben könnte, das am anderen Ende des Dorfes sein Headquarter hat.

Global Player schauen beim Business Development nicht unbedingt im Umfeld des Orteingangsschild. Dabei besteht darin doch eigentlich auch der massive Vorteil des Silicon Valley:

Kurze Wege.

Industrieunternehmen in Ostwestfalen durch IoT miteinander verbinden

Dieses Ziel sollte im Mindset lokaler Startups verankert sein. Neben dem lokalen Bezug hat diese Denke noch einen weiteren Vorteil: Mit konkreten Unternehmen vor Ort als Wunsch-Kunden zu entwickeln, hilft dabei sich zu fokussieren und ein MVP zu bauen, das schnell überzeugt.

Diskutiert mit uns auf Facebook: Welche ostwestfälischen Unternehmen könntet ihr durch eure Startup-Idee miteinander verbinden?