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Tommy Oehl von Vito im Interview

Thomas Oehl ist Managing Partner bei Vito Ventures  und verrät im Interview warum B2B-Geschäftsmodelle die Zukunft für Startups sein könnten, wo das nächste große Ding abgehen wird und warum Gründen keine „One Man Show“ mehr sein muss.

Tommy gründete schon zu Studienzeiten sein erstes Startups und legte 2013 einen erfolgreichen Exit hin. Anschließend arbeitete er als einer der ersten bei Uber in Deutschland und ist seit Jahren aktiver Business Angel. Außerdem ist er gelernter Brauer.

Tommy, ihr investiert ausschließlich in B2B Deeptech-Startups. Warum?

Tommy Oehl: „Ganz einfach: Wir sehen dort das größte Potential. Ob AI, Robotics, IoT, Autonomous Systems – unser ZIEL ist es, Gründer und Startups zu finden, die Kerntechnologien entwickeln die einen massiven Impact auf Industrie und Wirtschaft haben…dabei können dies disruptive als auch unterstützende Geschäftsmodelle sein. Dabei unterstützen wir Startups in Europa aus München heraus, weil die Region für Industrie, wirtschaftliche Kraft und starke Unternehmen steht. Hier werden genau wie in der Region Ostwestfalen-Lippe oder im Schwabenländle beste Bedingungen für B2B-Startups geboten. Natürlich spielt auch unser Erbe von Viessmann für unseren Fokus eine Rolle. Als innovatives Familienunternehmen ist es notwendig zu verstehen was heute um einen herum passiert. Wir investieren bewusst ohne strategische Relevanz für das Kerngeschäft von Viessmann, im Vordergrund steht, die Brücke zwischen Startups und dem industriellen Mittelstand zu bauen, um das volle Potenzial des Gründerstandorts Deutschland zu hebeln!”

Worauf achtest Du als Investor ganz besonders?

Tommy Oehl: „Wir achten bei Teams sehr auf ein komplementäres Setup der Skills, die jeder einzelne mitbringt. Wichtig ist eine starke technische Expertise und die Fähigkeit ein einzigartiges, starkes Produkt zu bauen. Spannend sind für uns insbesondere Uni-Spinoffs, Doktoranden oder auch Professoren, die etwas eigenes aufbauen wollen. Diese Top-Leute können zusammen mit operativ starken Co-Gründern alles erreichen. Unser Motto: ‚Don’t build enterprises, create empires!’. Ich denke hier verkaufen sich viele deutsche Gründer noch unter Wert, denn nur wer groß denkt, kann Großes schaffen.“

Aber wie bringt man Talente dazu über ein Startup und „Gründen“ nachzudenken?

Tommy Oehl: „Diese Debatte ist schon seltsam. Wenn man zum Gründen drängen muss, redet man mit keinem Unternehmer mit Risikobereitschaft und Macher-Qualitäten. Und wer kein richtiger Unternehmer ist, wird sich sehr schwer tun auf dem Weg nach oben, trotz aller Rückschläge immer 110 Prozent zu geben. Es geht darum gründungswilligen Talenten ein Tool-Kit sowie Zugang zu Kapital und Wissen an die Hand zu geben. Deshalb ist es auch ein Segen, nicht nur für die Region OWL, dass es die Founders Foundation gibt… So gibt es eine Top-Adresse für Leute, die Gas geben wollen. Gründen ist keine „One Man Show“ – es ist heute vielleicht so leicht wie nie. Und die geistige Freiheit dabei ist unvergleichlich!“

Vito Ventures

Gilt das auch für Startups im „Hinterland“?

Tommy Oehl: „Berlin hat große Verdienste zum bisherigen Stand der Startups in Deutschland und gilt Zurecht als „Gründer Hotspot“. Aber Deutschland ist seit jeher ein dezentrales Land und es gibt wirtschaftlich beeindruckend starke Regionen, in denen sich spannende Hubs entwickeln können. Bei der Frage wo das nächste große “Ding” stattfindet gibt es keine klare Antwort und ich denke auch nicht, dass wir “drei Berlins” brauchen. Wenn sich die verschiedenen Standorte auf ihre Stärken besinnen und ihren “unfairen” Vorteil herausarbeiten, wir jeder für sich feine Unterschiede erarbeiten. Als Gründer kann ich dann wählen, wo für meine Idee, Produkt und Sektor das beste Umfeld ist. Wenn wir die Top Leute, die sonst in die USA oder in andere Gründerhochburgen ziehen, halten wollen, müssen wir noch mehr für das Zusammenspiel von Kapital, Talenten, Mindset, Universitäten, Lebensqualität und Marktzugang tun. OWL ist dabei auf einem sehr guten Weg.“

Auf einem guten Weg sind auch viele eurer Startups. Welche Rolle nehmt ihr als Investoren ein?

Tommy Oehl: “In allererster Linie soll es eine Partnerschaft sein. Wir sind nicht die besseren Unternehmer. Auch wenn einige im Team selbst gegründet haben – wir wollen bei den Painpoints der jungen Unternehmen helfen und dabei helfen schneller und mit weniger (selbst gemachten Fehlern) zu wachsen. Wir geben jedem das, was er braucht. Das kann intensives Sparring sein, der Zugang zum industriellen Mittelstand oder die Freiheit einen Partner zu haben, der vor allem dann da ist, wenn es mal nicht so läuft.”