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Jeff Saibene hat Arminia Bielefeld vor dem Abstieg in die dritte Liga gerettet. Als er vor den Spielern und sagte:

„Männer, ihr müsst mir einfach vertrauen. ich weiß wie das geht. Wenn wir zusammen dran glauben und arbeiten, können wir es schaffen!“

wusste Jeff genau, wovon er sprach. Er hatte bereits zweimal die Erfahrung gemacht, einen Verein kurz vor knapp zu retten.

Im Founders Talk arbeitete Sebastian Borek Stück für Stück das Know-how heraus, das sich vom erfolgreichen Sport-Coach auf Gründer übertragen lässt: So wie Gründern klar ist, dass sie ein Unternehmen aufbauen wollen, so war Jeff immer klar: Sein Leben gehört dem Fußball. Zwischen den beiden Welten gibt es mehr Parallelen, als ihr vielleicht vermutet.

Jede Erfahrung macht uns besser. Besonders die Niederlagen. Auch als Entrepreneur

Die Erfahrung als Abstiegsretter machte ihn nicht nur glaubwürdig, sondern gab der Mannschaft Hoffnung, dass dieser neue Trainer wirklich etwas in den letzten 10 Spielen der Saison bewegen kann.

Dabei sagte Saibene ganz klar:

„Siege sind schön, aber Niederlagen extrem wichtig, um aus ihnen zu lernen.“

Dieser Lerneffekt setzt spätestens am nächsten Morgen nach dem Spiel ein, wenn direkt wieder trainiert wird. Dann hat Jeff bereits 30 Seiten Match-Statistiken durchgearbeitet, das Spiel auf Video analysiert und die Fehler und Schwachpunkte heraus gefunden, an denen es gelegen hat.

Aber: Er stellt auch immer klar heraus, welche Aspekte positiv bewertet werden können. Wurden die Strategie und Grundprinzipien durch die Mannschaft umgesetzt? Wo hat das Team gut zusammen gearbeitet? Welche Einzelleistungen waren gut? Was kann im nächsten Spiel verbessert werden?

Motivation und Ziele

Als Mannschaft sind die Ziele allen klar und stimmen überein. Trotzdem sind die individuellen Ziele jedes Spielers unterschiedlich: Junge Spieler wollen Karriere machen und peilen die erste Bundesliga an. Erfahrene Spieler sind darauf bedacht, ihre Leistung zu halten ohne sich komplett zu verausgaben und ältere Spieler beschäftigen sich möglicherweise schon damit, was sie nach ihrer Fußballkarriere machen werden.

Und großes Kompliment für Bielefeld: Viele Spieler wollen hier gar nicht mehr weg und sind allein deswegen schon zu top Leistungen motiviert.

Aufgabe eines Trainers ist auch, diese verschiedenen Motivationen in eine Richtung zu kanalisieren.

Wie sieht gute Leadership als Trainer aus?

„Ich bin kein typischer Trainertyp“ sagt Jeff von sich selbst. Er gibt gerne seinen Co-Trainern Verantwortung und vermittelt damit Wertschätzung. Auf den Tisch hauen und brüllen ist nicht seine Art. Zum Saisonabschluss-Spiel 2017 gegen Braunschweig hat diesen Job Co-Trainer Carsten Rump übernommen. Hat zum 6:0 gereicht:

Auch solche Fähigkeiten anderer im Teammitglieder gezielt einzusetzen, gehört zu den Kompetenzen eines Trainers, der schließlich Chef über den gesamten sportlichen Bereich ist. Trotzdem trifft er Entscheidungen zusammen mit seinem 5-köpfigen Team und lässt sich auch von anderen Optionen überzeugen, wenn andere die besseren Argumente haben.

Harte Entscheidungen vertritt er dennoch allein

„Die Spieler wollen nur eines: Am Samstag zu den elf gehören, die auf dem Platz stehen. Es ist immer hart, denen die nicht spielen werden, das mit zuteilen.“ Dabei zählt die aktuelle Form, wer sich am meisten engagiert hat im Training, die Motivation, aber auch das Bauchgefühl welche Spieler am besten zusammen passen.

Hier verriet uns Jeff sein Rezept: Wertschätzung und Kommunikation

Wenn man als Führungskraft konsequent und konsistent in seinen Entscheidungen ist und auf eine positive Art – auch kritisches – kommuniziert, kann man zwar Enttäuschung nicht wegzaubern, aber zumindest harte Entscheidungen akzeptabler machen. Und ein einfacher, wertschätzender Schulterklopfer kann viel ausmachen, denn er zeigt: Beim nächsten Mal kriegst Du wieder eine Chance.

Bei Kritik ist Saibene immer eines wichtig: Nie in der Öffentlichkeit oder vor der Mannschaft. Das handhabt er selber so und erwartet das auch von seinen Spielern, wenn sie etwas an ihm zu kritisieren haben.

Die mutigste Entscheidung war für Jeff bisher, nach Bielefeld zu gehen. Obwohl sein Berater ihm dringend abriet, das Übernachtangebot anzunehmen (Mittwoch kam der Anruf in der Schweiz, am nächsten Montag den Trainerposten zu übernehmen. Beim Tabellenzweitletzten, der bereits zwei Trainer entlassen hatte), war für Saibene klar:

„Das ist eine weitere Herausforderung. Ich kann dabei nur gewinnen.“

Aber auch eine solch unglaubliche Motivation schützt nicht davor, in der Nacht vorm ersten Termin mit der Mannschaft schweißnass und mit Panik im Hotelbett wach zu liegen. Sehr sympathisch und Mut machend, wie Jeff Saibene sich von Sebastian Borek in die Karten schauen ließ.

Ach ja, das Ergebnis seiner ersten Arminia Saison: Von 10 Spielen wurde nur noch 1 verloren!

Wie geht Jeff Saibene mit solchem Druck um?

Ein eigener Coach für den Coach. Genau genommen sagt Jeff: „Eigentlich sollte jede Führungskraft einen Coach haben, der als Sparringspartner, mit Erfahrungsaustausch und mit zeitweiliger Motivation unterstützt.“ Sein bester Kumpel ist Sportpsychologe und mindestens 2 Mal in der Woche tauscht er sich mit ihm aus, um Probleme zu diskutieren und sich selber weiter zu entwickeln.

Er hilft ihm auch verschiedene Rollen einzunehmen, ohne dabei seine Authentizität zu verlieren. Vor der Mannschaft hat der Trainer bsw. eine andere Rolle einzunehmen, als vor der Presse oder in seinem Trainer-Team.

Selbst reflektiert erzählt Jeff, dass er mit 15 Jahren aus Luxemburg nach Belgien geholt wurde und bereits mit 17 dort in der ersten Mannschaft eines großen Clubs spielte. Trotzdem war er durch den hohen Druck damals verkrampft und konnte sein Talent nicht immer 100% abrufen. Diese eigenen Erfahrungen helfen ihm, mit Empathie den Druck von den Spielern zu nehmen.

Wir sprechen kaum über den Gegner

Faszinierendste Insight des Abends: „Wir haben eine klare Philosophie wie wir Fußball spielen wollen und fokussieren uns darauf. Wir interessieren uns nicht für den Gegner.“

Schwer zu glauben, aber laut Saibene wird in der Vorbereitung auf die Spiele so gut wie keine Zeit darauf verwendet, den Gegner zu analysieren. Vielmehr konzentriert sich die Mannschaft darauf, die eigenen Prinzipien umzusetzen. Bis auf jeden einzelnen Spieler und seine individuellen Aufgaben herunter gebrochen.

Jeff Saibenes Kernprinzip lautet: Uns selber besser machen.

Fast unvorstellbar, wo doch die Digitalisierung auch im Fußball wahnsinnig viele Möglichkeiten zur Auswertung bietet.Nicht nur der eigenen Spielweise sondern eben auch der, des nächsten Gegners. Werft an dieser Stelle mal einen Blick auf das Fußball-Startup Matchmetrics aus Gütersloh!

Wie wird man ein guter Trainer?

Hier wiederholt Jeff noch einmal: Wertschätzung und positive Kommunikation.

So schafft man es, jedem einzelnen im Team zu zeigen, was er gut macht und noch viel wichtiger: Wie er jeden Tag etwas besser werden kann.

Das betrifft auch Spieler, die wissen, dass sie nicht mehr lange im Verein sein werden. So hat Jeff einmal einem Spieler gesagt, dessen Vertrag nicht verlängert wurde: „Ich bewundere Deine Art, wie hart Du trotzdem trainierst und wie fokussiert Du bei der Sache bist.“ Der Spieler war unglaublich froh über die Anerkennung seiner Leistung. Auch hier hilft ihm eine eigene Spieler-Erfahrung mit einem früheren Trainer, der Jeffs Vertrag nicht verlängerte, die Entscheidung aber ehrlich, korrekt und mit freundlichem Respekt vermittelte. Dieser Mensch ist ihm immer im Gedächtnis geblieben.

So schaffen Trainer ein Klima, in dem sich alle Teammitglieder wohl fühlen und ihre volle Leistung bringen.

Wie sieht die Vision von Jeff Saibene aus?

  • 2017 die Rettung geschafft
  • 2018 stabilisiert
  • In Zukunft: In Richtung der ersten Liga schnuppern.

Es war mal ein völlig anderer Founders Talk. Die Antwort auf Sebastians Frage Hast Du je überlegt, ein Unternehmen zu gründen? war die kürzeste des ganzen Gesprächs:

Nein, Fußball war und wird immer mein Leben sein.

Und trotzdem haben wir alle irre viel an diesem Abend auf der Alm gelernt. Danke Jeff Saibene, danke Armina und danke Founders!