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Eugen Graf und seine Co-Founder besetzten mit ihrem Startup eine sehr spezielle Nische die, die Pflege von Zähnen, mit Umweltschutz und ansprechenden Produktdesign verbindet.
Die Rede ist von Zahnseidenkampagne, einem Startup, welches hochwertige Behälter für mehrere Hundert Meter lange Zahnseidenspulen produziert und vertreibt. Wie Eugen einen Markt für ein derart spezielles Produkt ausleuchtete, wie er ein Business-Concept auf die Beine stellte und wie seine Vertriebswege aussehen, erklärt er im Interview.

1. Die Idee

Zahnseide, von sehr hoher Qualität, in Form einer Großpackung, zu einem wettbewerbsfähigen Preis an den Kunden bringen. Das ist die Idee hinter dem Startup ZahnseidenKampagne.

2. Wie kamt ihr darauf, euer Produkt zu erstellen, was ist die Entstehungsgeschichte?

In dem Buch ‚Kopf schlägt Kapital‘ von Prof. Dr. Günther Faltin (Teekampagne) haben wir die Vorteile einer Großpackung kennengelernt. Daraufhin haben wir eine Liste erstellt, auf welche Produkte dieses Prinzip anwendbar ist. Durch Smart Business Concepts wurde das spezielle Produkt Zahnseide gewählt da die Autoren sich darüber ärgerten, dass es keine Großpackungen für Zahnseide gibt.

3. Wie seid Ihr vorgegangen um mit eurem Produkt zu starten?

Wir haben unzählige Hersteller kontaktiert und endlos Zahnseide getestet, bis wir das optimale Produkt gefunden haben. Dann wurden die ersten 1000 (500 m) Spulen bestellt.

Schwieriger gestaltete sich die Suche nach dem passenden Behältnis für die Spule. Für uns war es wichtig etwas schon vorhandenes zu nehmen und für unsere Anwendung umzuwandeln. Dadurch hat dieser Prozess sehr lange gedauert. Das Gehäuse brauchte die passende Größe, sollte aus langlebigem Material bestehen und nicht aus Plastik. Nachdem die Metalldose gefunden war, musste diese entsprechend für die Zahnseidenspule umgebaut werden. Für diesen Prozess benötigten wir in etwa ein Jahr. Dabei hat Eugen als Konstrukteur alle Werkzeuge selber entworfen. Als der Umbau der Dose für uns zufriedenstellend war, wurden auch alle anderen Dosen zu Hause in Handarbeit hergestellt und mit Zahnseide befüllt. Dann endlich konnte die Zahnseide verkauft werden.

4. Wie groß ist das Business-Potenzial für euer Produkt und wie habt ihr das herausgefunden?

Wir waren 2013 in Berlin beim Entrepreneurship Summit und haben mit der ZahnseidenKampagne am Wettbewerb Gründen Live teilgenommen. Damals hatten wir nur ein Muster dabei und konnten es vor 2000 Besuchern vorstellen. Dabei bekamen wir sehr gutes Feedback und uns wurde klar dass die Idee Potential hat.

Außerdem wäre da die hohe Kundenzufriedenheit zu erwähnen, die sich an zahlreichen positiven Bewertungen erkennen lässt und zu Weiterempfehlungen führt. Zudem möchten die Menschen heutzutage etwas für die Umwelt tun. Durch die Wiederverwendung der Dose und der hohen Müllvermeidung, sowie Plastikreduzierung, kauft der Kunde mit gutem Gewissen und Zufriedenheit ein.

5. Was ist das Business-Modell – wie werdet Ihr Geld verdienen?

Für unser Produkt des alltäglichen Gebrauchs konnten bereits Verkaufszahlen verzeichnet werden. Online kann sich der Kunde eine für ihn passende Zahnseide im Metallgehäuse aussuchen und kaufen. Sobald die Zahnseide verbraucht ist, bestellt sich der Kunde bequem eine neue Spule und befüllt seine Dose damit. Der Verkauf wird hauptsächlich über Amazon abgewickelt.

6. Wie seid Ihr auf die Mehrwert-Funktionen gekommen, die Euer Produkt von anderen hervorhebt?

Zum ersten soll das Produkt der Zahnseidekampagne den Menschen auf seine Gesundheit aufmerksam machen. Des weiteren ist die Reduzierung von Plastikmüll bedeutsam. Im Vergleich zu herkömmlichen Produkten verzichten wir so gut es geht auf Plastikverpackung, ebenso in der Herstellung. Ferner ist die Dose mit einer neuen Spule nachfüllbar, somit entsteht weniger Müll und Ressourcen werden geschont. Der Kunde muss nicht ständig Zahnseide nachkaufen, denn 500m reichen für ca. 1000 Anwendungen und 200m reichen für 400 Anwendungen aus. Erwähnenswert ist obendrein die Optik der eleganten Dose, die in Handarbeit in Deutschland weiterverarbeitet wird.

7. Könnt Ihr erzählen, welche Schritte als nächstes kommen?

Ende 2016 wurden vier unterschiedliche Zahnseiden in Sortiment aufgenommen. Nun sind wir dabei für die neuen Sorten Werbung zu machen. Zusätzlich haben wir Anfang des Jahres zahlreiche Zahnarztpraxen kontaktiert und schauen was sich in Zukunft daraus ergibt. Denn wir haben bemerkt, dass Zahnärzten unsere Produkte sehr gut gefallen.

Wir werden versuchen die wenigen Kleinteile, die noch aus Kunststoff bestehen, durch kunststofffreie Teile zu ersetzen.

8. Was hat Euch die Founders Academy gebracht?

Die Founders Academy war für uns sehr inspirierend und wertvoll. Wir haben sehr viel lernen dürfen. Für uns waren die Interview-Gäste sehr interessant, da diese Menschen schon viele Erfahrungen gemacht haben und diese mit uns geteilt haben. Bei der Academy haben wir unter den Teilnehmern einen neuen Partner gefunden, mit dem wir derzeit am Konzept für ein neues Produkt arbeiten.

Die Founders Academy war wirklich eine unglaublich wertvolle Erfahrung mit vielen tollen Ideen.

9. Welche Tipps würdet ihr Gründern aus eurer bisherigen Erfahrung mitgeben?

Gründer müssen überzeugt sein, in dem was sie tun viel Durchhaltevermögen besitzen, doch auch offen für Kritik sein. Die Idee oder der Prototyp sollte so früh wie möglich potentiellen Kunden gezeigt werden, um Meinungen einzuholen. Dadurch können Fehlinvestitionen verhindert werden. Schön ist es, wenn Gründer einen Mentor im jeweiligen Fachgebiet hinter sich stehen haben, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht. Hat man das nicht, so sollte man nach Gleichgesinnten suchen, sich mit diesen treffen und seine Ideen und Probleme thematisieren.

10. Wo könntet Ihr noch Unterstützung gebrauchen, was sucht Ihr gerade (Personal, Ressourcen, Investoren)?

Das wichtigste ist noch immer das Produkt im deutschsprachigen Raum bekannter zu machen. Wir sind davon überzeugt, dass vielen Kunden das Produkt zusagen wird, wenn sie erst davon erfahren würden. Toll wäre es, wenn wir mit noch mehr Zahnärzten zusammen arbeiten könnten, so dass wir den Arzt mit Zahnseide versorgen und er unser Produkt dem Kunden empfiehlt.

Unterstützung könnten wir auch gebrauchen, um in den Einzelhandel zu gelangen. Dafür benötigen wir wiederum einen Investor, da für die Massenproduktion Werkzeuge hergestellt werden müssen.